Schwerer sexueller Missbrauch: Zweiter Verhandlungstag bringt wenig neue Erkenntnisse – Missbrauch bleibt rätselhaft

Hat sich ein 25 Jahre alter Asylbewerber aus Nigeria im vergangenen Sommer in Neuburg an einem Kind vergangen? Oder ist die ganze Geschichte nur erfunden? Eine Antwort darauf gab es am Neuburger Amtsgericht auch gestern nicht. Weil nach dem zweiten Verhandlungstag weiter zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten im Raum stehen, sind weitere Zeugen nötig.

Wie berichtet, muss sich der Flüchtling wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes verantworten. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt wirft dem Mann vor, sich im August bei zwei Gelegenheiten an dem siebenjährigen Mädchen vergangenen zu haben. Dabei soll er es abgepasst, in schwer einsehbaren Ecken gezerrt und anschließend mehrere Finger in das Geschlechtsteil des Kindes eingeführt haben. Einer der Fälle soll sich hinter dem Landratsamt in Neuburg, der zweite in der nahen Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, wo auch das Mädchen mit seinen Eltern wohnt, ereignet haben.

Die Siebenjährige, die ebenfalls aus Nigeria stammt, bestätigte die Vorwürfe gestern im Wesentlichen. Nachdem der Angeklagte die Taten vehement bestreitet, blieb ihr eine Aussage vor Gericht nicht erspart – natürlich in Abwesenheit des Mannes. Dabei schilderte das Mädchen – nach ihrer Vernehmung bei der Kriminalpolizei in Ingolstadt – erneut den Hergang der Übergriffe. Sie habe dem Angreifer dabei deutlich und auf Englisch zu verstehen gegeben, dass er aufhören solle, erklärte die Siebenjährige. „Doch er hat nur gesagt, dass ich meinen Eltern nichts verraten soll.“ Die Drohung, dass ihre Mutter und ihr Vater sie sonst schlagen würden, schindeten offenbar wenig Eindruck bei ihr. Anders als der Angeklagte, der als Bekannter der Familie beim ersten Prozesstag von erheblicher Gewalt der Eltern gegenüber dem Mädchen berichtet hatte, sprach dieses von einem harmonischen Verhältnis. Schläge habe sie noch nie bekommen, erklärte sie.

Während sich diese Schilderungen mit den bisherigen Aussagen des Kindes deckten, folgte bei den weiteren Zeugen eine Reihe von Widersprüchen. Was genau passiert ist, nachdem das Mädchen seinen Eltern von den Übergriffen erzählt hatte, ist daher noch ein Rätsel. Von einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem Vater und dem Angeklagten war ebenso die Rede wie von einem spontanen Selbstmordversuch des 25-Jährigen. Dessen Lebensgefährtin, die mit dem gemeinsamen Kind im Gerichtssaal erschien, trug wenig zur Entlastung des Mannes bei. Ganz im Gegenteil: Ihr Wissen basiert zum Großteil auf Hörensagen, wie sie einräumte. „Ich weiß nicht, ob er es getan hat, aber ich traue ihm nicht.“

Ein weiterer Mann, der bei den Gesprächen zwischen Eltern und dem Angeklagten teilweise dabei gewesen sein soll, brachte ebenfalls kein Licht ins Dunkel – weil er dem Prozess trotz Ladung fern blieb. Das soll sich am dritten Verhandlungstag ändern, wie Richter Gerhard Ebner klarstellte. Dann sollen Beamte der Polizeiinspektion Neuburg den Asylbewerber in den Gerichtssaal bringen. Der Prozess wird am 8. März fortgesetzt.

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