Sechseinhalb Jahre Haft für Missbrauch der Stieftochter

Landgericht Konstanz verhängt eine hohe Freiheitsstrafe gegen einen 53-Jährigen aus dem Raum Stockach. Er hatte drei Jahre lang seine Stieftochter missbraucht. Zwar wird keine Sicherungsverwahrung angeordnet, doch ist nach der Verbüßung der Haft eine Führungsaufsicht möglich.

Über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg hat ein 53-jähriger aus dem Raum Stockach seine Stieftochter ab dem siebten Lebensjahr schwer sexuell missbraucht. Das Landgericht Konstanz hat ihn jetzt zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Außerdem muss er 12 500 Euro Schmerzensgeld an seine Stieftochter bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ans Licht kamen die Taten erst im Rahmen eines Schulprojekts, bei dem das Mädchen auffiel. Nach Rücksprache mit der Mutter und nach einem Gespräch in der Beratungsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs und der zuständigen Sachbearbeiterin des Konstanzer Polizeikommissariats kam es Anfang vorigen Jahres zu einer Strafanzeige gegen den 53-Jährigen. Vor Gericht berichtete die Mutter, ihre Tochter habe schon im Alter von fünf Jahren von einem merkwürdigen Vorfall mit dem Stiefvater berichtet. Nachdem sie ihren Mann zur Rede gestellt und Pornobilder von seinem Handy gelöscht hatte, habe sie alles für erledigt gehalten. Heute mache sie sich bittere Vorwürfe.

Beide Eltern waren berufstätig. Wenn die Mutter Nachtschicht hatte, war der Ehemann mit ihrer Tochter alleine. Bei ihrer Videovernehmung im Polizeirevier Konstanz hatte die Schülerin Anfang vorigen Jahres berichtet, alles habe immer mit Kuscheln vor dem Fernseher angefangen. Nach und nach schilderte sie Details der Torturen, die sie über sich ergehen lassen musste. Der Stiefvater habe ihr wehgetan, sie habe Gewaltpornos mit ihm anschauen müssen und er habe sie verpflichtet, niemanden etwas von ihrem „Geheimnis“ zu erzählen. Da der 53-Jährige von Anfang an geständig war, blieb ihr eine Vernehmung vor Gericht erspart.

Der Anwalt der Mutter, der Nebenklage erhoben hatte, beantragte nach einem ersten Prozessstart vor vier Monaten ein Sachverständigengutachten zur Frage einer Sicherungsverwahrung des Angeklagten. Denn für eine ganz ähnliche innerfamiliäre Missbrauchsserie mit einer früheren Stieftochter war der mehrfach geschiedene Mann schon vor 20 Jahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Jetzt stellte ein psychiatrischer Sachverständiger bei dem 53-Jährigen eine dauerhafte „pädophile Nebenströmung“ fest, die aber nicht persönlichkeitsprägend sei. Für die Gefährlichkeitsprognose hatte der Gutachter keine eindeutige Antwort parat, zumal sich die Befragung des 53-Jährigen als sehr schwierig erwiesen habe. Er sei sicherlich nicht der pädophile Täter, der sich gezielt kindliche Opfer aussuche, erklärte der Gutachter. Aber inwieweit er nach Haftverbüßung wieder eine ähnliche Familienkonstellation suche, um dort seinen Neigungen nachzugehen, könne man nicht vorhersagen.

Das Gericht hielt eine so nachhaltig wirksame Maßnahme wie die Anordnung einer Sicherungsverwahrung für unangemessen und verhängte eine sehr lange Haftstrafe. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis wird voraussichtlich eine Führungsaufsicht angeordnet. Somit bleibt der Mann weiterhin unter Kontrolle. Damit wäre auch dafür gesorgt, dass potenzielle neue Partnerinnen mit kleinen Kindern über seine kriminelle Vergangenheit aufgeklärt werden. Die Mutter des Mädchens, das zuletzt Opfer wurde, wusste nichts davon, dass ihr Ehemann schon einmal eine Stieftochter als Sexobjekt missbraucht hatte. Da die Tat so lange zurückliegt, gilt sie auch als verjährt und taucht auch nicht mehr im Bundeszentralregister des Täters auf.

Der Tatbestand

Der Paragraf 176 des Strafgesetzbuchs regelt den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern bis einschließlich 14 Jahren. Bereits der Versuch ist laut Absatz 6 strafbar, hat aber Ausnahmen. Im Missbrauchsfall sehen die verschiedenen Absätze je nach Art der Taten eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren vor. Paragraf 182 dreht sich um den Missbrauch an Jugendlichen bis 18 Jahre. Je nach Art der Tat drohen eine Freiheitstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Auch hier ist der Versuch strafbar. Es gibt auch Absätze, die Ausnahmefälle regeln.

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