Kindesmissbrauch: Nur Bewährungsstrafe für 30-Jährigen

Das Ludwigsburger Jugendgeschöffengericht hat einen 30-jährigen Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, nachdem er  unter leeren Geldversprechen Kinder sexuell missbraucht hatte. Der Mann muss dem Gericht regelmäßig über seine Therapie berichten und Geld an seine Opfer zahlen, wobei zivilrechtliche Forderungen noch 30 Jahre offen bleiben.

Zwei der insgesamt vier unter 14-jährigen Mädchen, zu denen der Mann lediglich Chat-Kontakt hatte, bekommen jeweils 1000 Euro. Zweien, an denen er sich vergangen hat, wurden je 3000 Euro zugesprochen.

Was Jugendrichter Ulf Hiesetrmann in diesem Kornwestheimer Fall am meisten schockierte, war die Perfidität, die der geständige Täter etwa ein Jahr lang an den  Tag gelegt hat. Er baute mit den Mädchen unter der Vorgabe, er sei eine Frau, deren Freund sich für sie interessiere, Chat-Kontakte auf und versprach den Opfern Beträge zwischen 500 und 5000 Euro dafür, dass sie ihm entgegenkommen. So brachte er zwei Mädchen aus Waiblingen im Tatzeitraum Mai 2014 bis 21. Mai 2015 dazu, zu ihm nach Kornwestheim zu kommen. Dort nahm er – ausschließlich zum Zwecke seiner eigenen Befriedigung – teilweise „widerliche sexuelle Handlungen“ an ihnen vor, wie das Gericht befand. Aufgeflogen ist der Kornwestheimer, weil ein Vater gemerkt hatte, dass er sich um sein Kind Sorgen machen muss, und Strafanzeige erstattete. Die Polizei durchsuchte seine Wohnung und fand Beweismittel in seinen Kommunikationsgeräten.

Geständnis abgelegt

Da der Angeklagte vor Gericht ein Geständnis ablegte, mussten die Kinder nicht im Zeugenstand verhört werden. Das brachte bei der Strafzumessung Pluspunkte. Positiv wurde auch bewertet, dass sich der 30-Jährige therapieren lässt. Das am stärksten betroffene Mädchen befindet sich seit den Vorfällen in Therapie bei einer Beratungsstelle für sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Und es ist noch nicht klar, ob Folgeschäden kommen. Die Freundin dieses Mädchens aus Waiblingen hat der Angeklagte dazu animiert, sexuelle Handlungen zu filmen und teilweise auch selber mit seinem von der Kripo sichergestellten Handy gefilmt, was strafrechtlich dem Herstellen pornografischer Schriften gleich kommt. Die nächsten drei Jahre steht der Mann unter Beobachtung, denn so lange ist die Bewährungszeit festgesetzt.

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