135-facher Missbrauch eines Mädchens, und die Mutter sieht zu: Warum sie trotzdem noch das Sorgerecht hat

Bochum. Der Vorwurf: 135-facher Missbrauch eines Mädchens, das zum damaligen Zeitpunkt sechs bis sieben Jahre alt war. Die Urteile sind mittlerweile gesprochen.

Aber es bleiben noch offene Fragen. Etwa die, warum das Opfer, das heute 17 Jahre alt ist, immer noch dem Sorgerecht der Mutter unterstellt ist. Denn die Mutter wurde der Beihilfe des sexuellen Missbrauchs für schuldig gesprochen, weil sie bei verschiedenen Missbrauchs-Situationen zugesehen hat.

Die Herner Jugendamtsleiterin Annette Frenzke-Kulbach sagt dazu: „Wenn wir von einem Missbrauch erfahren, gehen wir nicht mit Pauken und Trompeten dort rein. Das Mädchen muss mitbestimmen. Grundsätzlich gilt immer, dem betroffenen Kind so viel Entscheidungsmöglichkeit zu übertragen, wie möglich. Dass über ihren Willen hinweg etwas getan wird, das sie nicht will, hat sie schon erfahren, das wollen wir nicht noch mal. Aber der Schutz muss immer sichergestellt werden.“

Und auch ein anderer Punkt ist Frenzke-Kulbach wichtig. Sie sagt: „Warum soll man eine Mutter moralisch gesehen aus ihrer Verantwortung entlassen? Man muss sich schon überlegen, ob es richtig ist, die Verantwortung zu nehmen und sie aufs Jugendamt zu übertragen. Man kann als Mutter nicht immer sagen, ich gebe das Kind einfach ab, wenn es eng wird. Eltern bleiben Eltern.“

Grundsätzlich sei die Vorgehensweise aber so: Wenn das Jugendamt feststellt, dass das Wohl eines Kindes gefährdet ist und die Eltern keine Problemeinsicht haben oder auch kein Interesse daran, das Problem zu lösen, dann beantragt es den Entzug der „elterlichen Sorge“. Das Gericht prüft dann, wie tief man in die Familie eingreift. Das Sorgerecht der Eltern kann entzogen werden, wenn sich die Situation aber stabilisert, kann es auch wieder zurückübertragen werden.

Der vielfache sexuelle Missbrauch des Mädchens ist nun etwa zehn Jahre her. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass Onkel, Bruder und Nachbar daran beteiligt waren und die Mutter teilweise zugesehen hat. Schon länger bekannt ist aber, dass der Patenonkel der Schwester des Mädchens es ebenfalls missbraucht hat. Damals war auch ein Nachbarsmädchen betroffen.

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