Baby Charlie – neue Anhörung für Donnerstag angesetzt -Hoffnungsschimmer für die Eltern – Britische Ärzte allerdings glauben nicht an Rettung

London. Der emotional aufgeladene Rechtsstreit um das todkranke Baby Charlie Gard in Großbritannien wird fortgesetzt. Die Eltern des Jungen bekämen die Möglichkeit, bis Mittwochnachmittag neue Beweismittel dafür vorzulegen, warum ihr Sohn eine experimentelle Behandlung erhalten solle.

 

Das sagte Richter Nicholas Francis am Montag nach einer Anhörung in London. Für Donnerstag setzte er einen weiteren Termin an.

Bei dem Gerichtstermin am Montag waren die Emotionen hochgekocht. Charlies Mutter weinte frustriert, sein Vater schrie einen Anwalt an. Die nun neu vorgebrachten Beweise müssten jedoch überzeugend sein, sagte Francis, und er werde sie sich anhören. Es gebe nicht einen Menschen, der Charlie nicht retten wolle.

Das elf Monate alte Kind leidet an einem seltenen Gendefekt und hat Hirnschäden. Seine Eltern wollen ihn für eine experimentelle Therapie in die USA bringen, die aber nach Ansicht seiner britischen Ärzte nicht helfen wird. Ende Juni scheiterten die Eltern bereits mit einer Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Nun soll seine künstliche Beatmung eingestellt werden. Die Wiedereröffnung des Falls am Hohen Gerichtshof in London könnte dazu führen, das Charlie die Behandlung in Großbritannien oder im Ausland erhalten könnte.

Es müssten „dramatische und neue“ Fakten vorgelegt werden. Eine weitere Anhörung ist für Donnerstag geplant. Wann eine Entscheidung fallen soll, ist unklar.

Neue Expertengutachten brachten Aufschub

Der Fall ist nochmals eröffnet worden, nachdem dem Krankenhaus, in dem Charlie behandelt wird, neue Expertengutachten unter anderem von dem italienischen Kinderkrankenhaus Bambino Gesù vorgelegt wurden. Charlie habe eine Chance auf Heilung, die es wert sei, zu verfolgen, sagten die Anwälte der Eltern der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge.

Der elf Monate alte Junge leidet an einer seltenen genetischen Erkrankung, in der Fachsprache mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDDS), wobei insbesondere das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Charlie muss künstlich beatmet und ernährt werden. Seine Ärzte fordern, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet werden dürfen.

Charlies Eltern wollen, dass er für eine experimentelle Therapie in die USA ausgeflogen werden darf. Bislang waren sie damit aber durch alle Instanzen hindurch gescheitert.

Britische Ärzte glauben nicht an Rettung

Charlies britische Ärzte im Londoner Great-Ormond-Street-Krankenhaus glauben nicht, dass ihm noch geholfen werden kann. Sie sprachen sich dafür aus, dass der Junge in Würde sterben soll. Britische Gerichte gaben den Ärzten durch alle Instanzen hindurch Recht. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigte die Entscheidung.

Bereits Ende Juni sollte Charlies Beatmung eingestellt werden, doch die Eltern erbaten sich Aufschub, um Abschied zu nehmen. Nun scheint alles wieder offen zu sein. Noch am Wochenende hatten Charlies Eltern eine Petition mit 350.000 Unterschriften in der Klinik eingereicht, mit der sie eine Behandlung ihres schwerkranken Sohnes im Ausland erreichen wollen. Sie sammelten rund 1,5 Millionen Euro an Spenden, um den Krankentransport und die Behandlung finanzieren zu können.

Der Fall hatte international Schlagzeilen gemacht, sogar Papst Franziskus und US-Präsident Donald Trump hatten sich dazu geäußert. Krankenhäuser in den USA und Italien hatten angeboten, Charlie weiter zu behandeln.

Woran leidet Baby Charlie?

Baby Charlie hat eine seltene und sehr schwere Erbkrankheit. In der Fachsprache ist von einem mitochrondrialen DNA-Depletionssyndrom (MDDS) die Rede, wobei bei dem kleinen Jungen insbesondere das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen ist.

Es gibt nach Angaben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg keine Anzeichen einer normalen Hirnfunktion, wie Reaktionsfähigkeit oder Weinen. Auch Charlies Muskeln und die Atmung sind demnach geschwächt: Er ist etwa auf künstliche Beatmung angewiesen und kann seine Arme und Beine nicht mehr bewegen. Charlie ist von Geburt an taub und hat epileptische Störungen.

Verursacht wird die Erkrankung von einem Fehler in einem Gen. Dadurch leidet im Endeffekt die Funktion der Kraftwerke der Zellen, der sogenannten Mitochondrien. Sie produzieren weniger Energie, auf die der Körper aber angewiesen ist. Charlies Erkrankung, bei der das Gen RRM2B betroffen ist, wurde vor rund zehn Jahren erstmals beschrieben.

Symptome beim MDDS variieren unter anderem in Abhängigkeit von dem betroffenen Gen. Experten zufolge gibt es für Charlies Leiden bislang keine Therapie. Seine Eltern wollen, dass er in den USA eine experimentelle Therapie bekommt. Diese wurde bislang aber nur bei Patienten mit einer anderen Gen-Mutation mit milderen Verläufen eingesetzt. Bei Menschen und Tieren mit der RRM2B-Mutation gibt es hingegen keine Erfahrungswerte mit dem Verfahren.

 

 

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