Wohnmobil-Tour gegen sexuellen Missbrauch

Markus Wiegmann ist gerade auf großer Tour durch Deutschland: Er will eine Millionen Unterschriften gegen die Verjährungsfrist von Missbrauchs-Tätern sammeln. Am Mittwoch machte er Station in Wolfsburg.

Stadtmitte. Die Zielvorgabe ist hoch: Eine Million Unterschriften will Markus Diegmann gegen die Verjährung von sexuellem Missbrauch sammeln. Dafür tourt der 51-Jährige seit Januar mit seinem Wohnmobil und Hund Picasso durch Deutschland, Mittwoch machte er auf seiner Tour41 Station auf dem Hugo-Bork-Platz in Wolfsburg. „Ich habe viele Gespräche mit Betroffenen geführt.“

Dort traf er auch Sabrina Tophofen, die in der gleichen Sache zu Fuß unterwegs ist. Sie wurde ebenso wie Markus Diegmann als Kind missbraucht und läuft von Krefeld nach Berlin, um in der Akademie der Künste einen Forderungskatalog der Opfer zu übergeben. „Dazu gehört auch die Abschaffung der Verjährungsfrist bei Missbrauch von Kindern“, sagt sie.

Nach 30 Jahren verjähren solche Taten – diese Regelung müsse abgeschafft werden, sagen die beiden Aktivisten. „Die Opfer haben lebenslänglich“, erklärt Markus Diegmann. Mit fünf Jahren wurde er das erste Mal sexuell missbraucht, mit 15 Jahren hörten die Übergriffe auf, aber sein Leiden nicht: Diegmann stürzte sich mit 18 Jahren in eine Ehe, die ebenso wie die anderen 48 Beziehungen in den nächsten 20 Jahren scheiterte. “Ich beziehungsunfähig“, sagt er. Schuld sei das Trauma durch die Missbräuche.

Anfangs stellte er sich dem Trauma nicht. Bis es ihn 2013 überrollte: IT-Experte Markus Wiegmann schulte gerade Manager in den USA, als es ihn über ihn hereinbrach: „Schreckliche Bilder überrollten mich. Alles, was ich 40 Jahre verdrängt hatte, kam jetzt“, erinnert sich der gebürtige Kölner. Und das hatte Folgen: Diegmann ist seitdem erwerbsunfähig, Therapien bekam er zwar, aber lange Klinik-Aufenthalte, die wichtig wären, scheiterten am Geld. Auf diese und andere Probleme, mit denen Missbrauchs-Opfer zu kämpfen haben, möchte Diegmann aufmerksam machen, deshalb ist er auf Tour. „Ich möchte das Thema gesellschaftsfähig machen“, das sei ihm noch wichtiger als die Unterschriften zu sammeln. 20.000 hat er bereits, Unterstützer. Weitere Infos im Internet unter tour41.net.

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