Elf Jahre Hölle. Jill (50) wurde als Kind sexuell missbraucht – in der eigenen Familie.

Elf Jahre erlebte Jill (50) die Hölle. Sie wurde sexuell missbraucht – in der eigenen Familie. Noch immer leidet sie unter diesen schrecklichen Erlebnissen.

Wolfsburg.  Die Bilder verfolgen sie ihr Leben lang. Jill wurde elf Jahre lang missbraucht – die Täter kommen aus der eigenen Familie. Mit neun Jahren ging es los und mit 20 Jahren hörte es erst auf, weil sie vor der Familie, die nach außen mustergültig aussah, floh. Jill stürzte sich sofort in eine Ehe, die scheiterte.

Jahrelang lebte die Wolfsburgerin mit den traumatischen Erlebnissen aus der Kindheit, erst mit 39 Jahren holten diese sie ein. Jill holte sich psychologische Hilfe, war in psychosomatischen Kliniken, die Behandlung dauert bis heute an, doch den Missbrauch kann sie nicht vergessen – das hat sie akzeptiert. „Ich kann nur versuchen, damit zu leben“, hat Jill gelernt.

Ihr zweiter Mann fängt vieles auf

Dabei unterstützt sie ihr zweiter Mann, den sie vor 17 Jahren kennengelernt hat. Anfangs sei es zwischen den beiden nicht leicht gewesen: „Er bekam meine ganze Wut ab“, erzählt die Mutter von drei Kindern. Doch dann vertraute sie sich ihm an, erzählte vom Missbrauch. Aber auch der Ehemann kann nicht helfen, wenn Jill das Trauma wieder einholt.

Einst gab sie sich selbst die Schuld

Sie ist misstrauisch, öffnet sich schwer anderen Menschen gegenüber, muss in der Wohnung immer das Licht angeschaltet haben, oft denkt sie an Selbstmord – alles Folgen des Missbrauchs, sagen Psychologen. „Ohne Tabletten könnte ich nicht leben“, sagt die Wolfsburgerin. Früher dachte sie, dass Missbrauch in Familien üblich sei. Später gab sie sich die Schuld, dass es zu den sexuellen Übergegriffen gekommen war. Das hat sich geändert.

Lange pflegte sie noch den Kontakt zu Eltern und Geschwistern, auch als sie schon verheiratet war. Feierte noch gemeinsam mit ihnen, „ich dachte, ich müsste das tun, weil es doch meine Familie ist“. Weihnachten 2005 kam es zum endgültigen Bruch, und das sei gut so, sagt Jill. „Meine Familie sind mein Mann und meine drei Kinder.“

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