Missbrauch: 86-Jährigen holte Vergangenheit ein

BEZIRK BRAUNAU/RIED. Angeklagter aus dem Innviertel hat sich vor dreizehn Jahren an einem damals elfjährigen Mädchen vergangen.

Es ist ein beschwerlicher Weg für den Angeklagten beim dritten Prozesstag in den Rieder Schwurgerichtssaal. Nur mit Hilfe seiner Angehörigen schafft er es mit seinem Rollator zum Anklagestuhl, wo er sich wegen des Verbrechens des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen verantworten muss. Spät, aber doch holt den 86-Jährigen seine Vergangenheit ein.

Laut Staatsanwalt soll er vor 13 Jahren eine damals Elfjährige in wiederholten Angriffen unsittlich berührt haben. Außerdem soll er sich vor dem Mädchen entblößt haben. Diese Vorwürfe bestritt der Beschuldigte bereits beim ersten Prozesstag im November 2016. Zur Überraschung seines Verteidigers Franz Mitterbauer tischte er damals eine völlig andere Version auf. Das Mädchen habe die Nähe zu ihm gesucht. Sie habe ihn aufgefordert, sie zu berühren. „Ich habe zu ihr gesagt, dass sie weggehen soll, weil das nicht erlaubt ist. Dann war sie enttäuscht und ist gegangen“, schildert der Beschuldigte. Bei der Einvernahme durch die Polizei sagte der Angeklagte zu diesem vermeintlichen Vorfall jedoch nichts. „Sie waren damals 74 Jahre alt, also im Vergleich zum Mädchen uralt. Warum sollen wir Ihnen das abnehmen?“, stellte die beisitzende Richterin Sonja Hofbauer bei der ersten Verhandlung die Frage in den Raum. Bei der Prozessfortsetzung vor dem Schöffengericht bleibt der 86-Jährige bei seiner Verantwortung. „Ich habe nichts getan, ich bin unschuldig“, sagt der bisher unbescholtene Pensionist aus dem Bezirk Braunau.

„Es gibt keinen Zweifel an den Aussagen des Opfers. Dass das Mädchen sich an Sie herangemacht haben soll, das ist doch völlig aus der Luft gegriffen“, sagt Anklägerin Ernestine Heger in ihrem Schlussplädoyer.

„Es gibt keine objektiven Beweise für die Vorwürfe. Warum soll mein Mandant mit 86 Jahren nicht die Karten offen auf den Tisch legen“, sagt Verteidiger Franz Mitterbauer. Nach 20 Minuten kehrt das Schöffengericht von der Beratung zurück. Der Beschuldigte wird zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt. Außerdem muss er dem Opfer ein Teilschmerzensgeld in der Höhe von 1000 Euro bezahlen. Der Richterspruch ist rechtskräftig.

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