Neue Verhandlung Missbrauch: Kürzere Haft für Nordkirchener Lehrer?

NORDKIRCHEN/ESSEN Das Essener Landgericht muss sich noch einmal mit dem Fall des pensionierten Lehrers (76) aus Nordkirchen beschäftigen, der einen ehemaligen Schüler sexuell missbraucht hat. Der Bundesgerichtshof hat das erste Urteil aus März 2016 aufgehoben und eine neue Verhandlung anberaumt. Gibt es nun eine mildere Strafe?

Das Essener Landgericht hatte den Angeklagten, der bis zum damaligen Prozess außerdem in der Seelsorge in Nordkirchen tätig war, zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter gingen damals von einem „sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen“ aus.

Der pensionierte Lehrer hatte einen Ex-Schüler mehrmals in dessen Wohnung besucht. Dabei war es nach dem Geständnis des Angeklagten zu sexuellen Kontakten gekommen.

Falscher Paragraph?

Während der heute 76-Jährige jedoch weiter behauptet, dass alles einvernehmlich geschehen sei, gingen die Richter im ersten Prozess davon aus, dass der Ex-Schüler aufgrund einer Intelligenzminderung und weiteren Persönlichkeitsdefiziten nicht in der Lage war, Widerstand zu leisten.

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat diese Annahme nun zwar weitgehend geteilt. Dennoch ist nach Ansicht dieser Richter ein neuer Prozess nötig. Zwar heißt es in ihrem Beschluss hinsichtsichtlich der möglichen Widerstandsunfähigkeit des Opfers, dass die Ausführung des ersten Urteils „Rechtsfehler nicht erkennen“ lässt. Die Kammer habe aber nicht ausreichend geprüft, ob der Fall dennoch unter einen anderen Paragraphen des Strafgesetzbuches fallen könnte.

Bekommt Lehrer mildere Strafe?

Wäre das so, könnte der Nordkirchener möglicherweise mit einer milderen Strafe rechnen. Auf einen Freispruch dürfte er hingegen vergeblich hoffen. Der Bundesgerichtshof hat die Feststellungen der Essener Richter, was den Tatablauf angeht, rechtskräftig werden lassen.

Opfer war geistig behindert

Wie berichtet hatte der Angeklagte, ein pensionierter Direktor einer Förderschule im Ruhrgebiet, im Prozess vor dem Essener Landgericht eingeräumt, mit einem seiner ehemaligen Schüler (44) mehrfach sexuelle Praktiken ausgeübt zu haben. Der Nordkirchener hatte den Austausch sexueller Handlungen als einvernehmlich dargestellt. Die Richter hatten das geistig behinderte Opfer jedoch im Urteil als besonders schützenswerte („widerstandsunfähige“) Person eingestuft.

Ein Termin für die neue Verhandlung steht noch nicht fest.

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