Dutzende Menschen über Jahre missbraucht, darunter auch Kleinkinder +++ Insgesamt 82 Opfer +++ Dorf der Kinderschänder am Polarkreis + + +

Drag (Norwegen) – Sie haben geschwiegen. Sie haben gelitten. Sie haben es erduldet. Über Jahre. Bis jetzt! In einer kleinen Gemeinde Lapplands sind dutzende Menschen Opfer sexueller Übergriffe geworden, ohne dass jemand einschritt.

Bei ihren Ermittlungen zu den Vorgängen im Dorf Drag in der knapp 2000 Einwohner zählenden Gemeinde Tysfjord seien sie auf 151 Fälle sexueller Gewalt gestoßen, darunter 43 Vergewaltigungen, teilte die norwegische Polizei mit. Zu den Opfern zählten auch Kleinkinder.

Bislang seien 82 Opfer im Alter zwischen vier und 75 Jahren sowie 92 Verdächtige identifiziert, sagte Kommissarin Tone Vangen. Die meisten Fälle sind aber bereits verjährt, die ältesten gehen auf das Jahr 1953 zurück.

Die Affäre ins Rollen gebracht hatte die Zeitung „Verdens Gang“ im Juni vergangenen Jahres mit Berichten von elf männlichen und weiblichen Opfern sexueller Übergriffe.

Erst danach nahm die Polizei Ermittlungen auf. Kommissarin Vangen entschuldigte sich auch im Namen der Polizei, dass diese trotz einer Reihe von Anzeigen nicht früher tätig geworden sei.

„Die Arbeit der Polizei bis Juni 2016 war nicht gut genug“, betonte Polizeisprecher Tone Vangen.

Bürgermeister Tor Asgeir Johansen sprach von einem „enormen Ausmaß“ der Übergriffe. „Das ist eine kleine Gemeinde, und es ist klar, dass dies Spuren hinterlässt“, sagte er der Nachrichtenagentur NTB.

Ein Verdächtiger soll den Missbrauch damit gerechtfertigt haben, ein Schamane zu sein.

Viele Verdächtige seien Ureinwohner Lapplands oder Laestadianer, Anhänger einer konservativen protestantischen Strömung mit besonders strengen moralischen Maßstäben, sagte Vangen weiter.

Dies bedeute aber nicht, dass „die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk oder einer Glaubensrichtung“ derartiges Verhalten erklären könne.

Allerdings könnte sie eine Erklärung dafür bieten, warum die Übergriffe so lange totgeschwiegen worden seien: So zählten Laestadianer eher auf die Beichte als die Justiz, in anderen Fällen begünstige Abschottung das Schweigen.

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