14-Jährige missbraucht und in Hinterhof abgelegt – Gruppen-Vergewaltigung einer 14-Jährigen in Hamburg wird nach Entscheidung des BGH neu verhandelt.

Im ersten Prozess kamen vier Jugendliche mit Bewährungsstrafen davon – jetzt wird der Fall um Gruppen-Vergewaltigung einer 14-Jährigen in Hamburg nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs neu verhandelt.

Hamburg – Knapp zwei Jahre nach der Gruppen-Vergewaltigung einer 14-Jährigen in Hamburg-Harburg müssen sich die Täter erneut vor Gericht verantworten. Die Große Strafkammer am Landgericht verhandelt ab Mittwoch über eine rechtliche Neubewertung der Tat.

Der Bundesgerichtshof hatte die Urteile des Hamburger Landgerichts im Juli vergangenen Jahres aufgehoben, die Feststellung zum Tatgeschehen jedoch bestätigt.

Nach der Personalien-Feststellung der Angeklagten am Mittwoch schloss die Große Strafkammer auf Antrag der Nebenklage-Vertreterin und der Verteidiger die Öffentlichkeit von der Verhandlung bis zur Urteilsverkündung aus.

►Der Fall: Die Angeklagten Bosko P. (23), Ziovad S. (18), Alexander K. (18) und Dennis M. (15) sollen sich am 11. Februar 2016 an dem betrunkenen Mädchen vergangen, sie sexuell missbraucht und mit Flaschen und Gegenständen gefoltert. Der damals 15-jährige Lisa H. wird vorgeworfen, das Verbrechen an ihrer Freundin gefilmt zu haben.

Nach Angaben des Gerichts hatte die 14-Jährige zunächst einvernehmlichen Sex mit einem der Jugendlichen. Als sie anschließend alkoholbedingt widerstandsunfähig war, missbrauchte Bosko P. sie, dann taten dies den Erkenntnissen zufolge die drei anderen jungen Männer.

Nach dem Missbrauch hatten die Angeklagten ihr Opfer frühmorgens bei eisiger Kälte kaum bekleidet in einem Hinterhof an der Bornemannstraße liegen gelassen. Ein Bewohner wurde auf das Mädchen aufmerksam und verständigte die Polizei.

Die Täter hätten die 14-Jährige wie Müll weggeworfen, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung im Oktober 2016. Im Krankenhaus musste das Mädchen auf der Intensivstation behandelt werden.

Im ersten Prozess wurden die drei Jugendliche (Ziovad S., Alexander K. und Dennis M.) vom Landgericht Hamburg wegen gemeinschaftlich begangenen schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person, gefährlicher Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Mittäterin Lisa H. erhielt ebenfalls eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe.

Der einzige Erwachsene auf der Anklagebank, der 23-jähriger Bosko P. aus Serbien, sollte für vier Jahre ins Gefängnis. Die Jugendlichen hatten die Taten gestanden. Der 21-Jährige hatte den Geschlechtsverkehr mit der 14-Jährigen als einvernehmlichen Sex dargestellt, was ihm das Gericht nicht abnahm.

Worum geht es in dem neuaufgerollten Prozess?

Der Bundesgerichtshof hat das Landgericht unter anderem aufgefordert, auch den Straftatbestand der Aussetzung zu prüfen: Von Aussetzung spricht man, wenn jemand eine Person in eine hilflose Lage und in Lebensgefahr bringt. Sollte die Strafkammer das nun bejahen, könnten sich die Strafen verschärfen. In dem Verfahren geht es in erster Linie um den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person – der Gesetzgeber bezeichnet diese Straftat inzwischen auch als Vergewaltigung.

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