Prozess um sexuellen Missbrauch in Schöneiche – Verurteilter Horterzieher legt Revision ein

Der Missbrauchs-Prozess gegen einen Horterzieher aus Schöneiche (Oder-Spree) beschäftigt jetzt den Bundesgerichtshof. Die Verteidigung des 27-jährigen Mannes hat Revision gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) eingelegt.

Dieses hatte den Erzieher Anfang Februar wegen sexueller Übergriffe zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem muss er 4.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Nach seiner Entlassung darf der Mann vorerst nicht in seinem Beruf arbeiten.

Er soll sich in den Jahren 2013 und 2014 an vier Jungen im Alter zwischen sieben und neun Jahren vergangen haben. Noch zu Prozessbeginn bestritt der Mann die Taten. Für ihn sei es eine Racheaktion der Kinder und eines Vaters gewesen. Der Angeklagte argumentierte vor Gericht damit, dass der Vater nicht gewollt hätte, dass ein homosexueller Erzieher wie er sein Kind betreue.

Drei Kindern bleiben Aussagen erspart

Damit zwingt der 27-Jährige das Gericht im weiteren Verlauf, die Kinder als Zeugen zu hören. Vergangene Woche musste deshalb ein jetzt zehnjähriger Junge aussagen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Rechtsanwältin Anja Bothe schildert, dass der zehnjährige Zeuge während seiner Aussage zunächst stark weinte, seine Mutter ihm aber den Rücken gestärkt hätte. Dies sei für die Anwältin persönlich sehr berührend gewesen, sagt sie.

Der Zehnjährige belastet mit seiner Aussage den ehemaligen Erzieher so stark, dass dieser ein Geständnis ablegt und damit den anderen drei Jungen die Aussagen vor Gericht erspart. Staatsanwalt Ingo Kechichian erklärt nach dem Urteilsspruch, dass der Verurteilte ihm glaubhaft machen konnte, dass ihm die Tränen des Kindes vor dem Gericht leid getan hätten und ihn auch bewogen hätten, ein Geständnis abzulegen.

Für das Gericht war das Geständnis jedoch nicht so tiefgreifend wie erwartet. Das sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Deshalb könne es aus Sicht des Gerichtes keine Bewährungsstrafe, sondern nur eine Haftstrafe geben. Außerdem muss der Horterzieher viertausend Euro Schmerzensgeld zahlen. Nach seiner Entlassung darf dieser vorerst nicht in seinem Beruf arbeiten. Seine Verteidiger hatten für eine Bewährungsstrafe plädiert.

Nach Ende des Prozesses lagen sich die Mutter eines zum Tatzeitpunkt siebenjährigen Sohnes und ihre Anwältin Anja Bothe in den Armen. Das Kind wurde von dem Verurteilten missbraucht. Bothe zeigte sich mit dem Urteil zufrieden, weil sie eine Haftstrafe ohne Bewährungsfähigkeit erreicht hätten, sagte sie im Anschluss.

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