34-Jährige soll Enkel (10) des Lebenspartners Missbraucht haben – Angeklagte bestreitet vor Gericht den Missbrauch des Jungen weitgehend

Der Angeklagten wird vorgeworfen, den Enkel ihres Lebenspartners sexuell missbraucht zu haben. Foto: Fabian Klaus

Vor dem Landgericht Gera wird gegen eine 34-Jährige verhandelt, die sich am Enkel ihres Lebenspartners vergangen haben soll. Ein Gutachter soll die Glaubwürdigkeit des Jungen klären.

Gera. Die Angeklagte wirkt eingeschüchtert. Stotternd trägt sie vor, was sie zu sagen hat zu dem schweren Vorwurf, den ihr die Staatsanwaltschaft macht.

Am Landgericht in Gera hat ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs begonnen. Die Beschuldigte 34-Jährige soll sich im Zustand verminderter Schuldfähigkeit an dem damals zehn Jahre alten Enkel ihres Lebenspartners vergangen haben. Zwei Fälle umfasst die Anklageschrift, die Staatsanwältin Sylvia Kreuter verließt.

Im Sommer 2016 besucht der Junge seinen Opa in Rudolstadt. Dort wohnt auch die Angeklagte, die seit etwa fünf Jahren mit dem 61-Jährigen liiert ist. Sie bestreitet die Vorwürfe weitest­gehend, gesteht am ersten Verhandlungstag aber ein, dass sie den Jungen ein Mal im Intimbereich angefasst habe.

Die Anklage geht viel weiter und stützt sich dabei vor allem auf die Aussage des Jungen bei der Polizei – und klagt deshalb auch schweren sexuellen Missbrauch an. Denn in Rede steht, dass die Angeklagte den Beischlaf mit dem Jungen vollzogen haben soll. Außerdem soll sie ihn mit dem Mund intim berührt haben.

Was stimmt? Der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt stellt fest, dass es zunächst keine erkennbaren Gründe gebe, dem Jungen nicht zu glauben. Deshalb schon sei die Anklage zugelassen worden. Allerdings offenbaren sich weitere Details, durch die die Vorwürfe in einem anderen Licht erscheinen – und die die Kammer am Schluss in Abstimmung mit Verteidigung, der Staatsanwältin und der Nebenklagevertretung dazu bewegen, die Glaubwürdigkeit des Jungen untersuchen zu lassen.

Mutter: „Das denkt sich kein Zehnjähriger aus.“

Denn allein die Schilderungen des Vorgangs durch den Jungen lassen Zweifel daran aufkommen, ob die Tat sich so, wie angeklagt und vom Jungen beschrieben, tatsächlich abgespielt haben könnte. Außerdem wird offenbar, dass der Zehnjährige sich bereits in psychiatrischer Behandlung befindet. Nach Aussage des seinerzeit ermittelnden Kriminalkommissars habe der Junge für einen Zehnjährigen eine „ungewöhnliche Einstellung“ zur Sexualität. Ausgewertete Handydaten des Jungen legen das mit entsprechenden Suchanfragen im Internet nahe, die der Beamte erklärt. Gleichwohl habe er bei dem Jungen aber auch Schammomente festgestellt, als er darüber gesprochen habe, was passiert sei – und das sei für einen Zehnjährigen ja normal.

Die Mutter hingegen macht im Zeugenstand deutlich, dass das Thema Sex daheim überhaupt keine Rolle gespielt habe. Dass sich ihr Sohn die Geschichte ausgedacht haben könnte liegt außerhalb ihrer Vorstellungskraft, wie sie selbst deutlich macht. Zitat: „Das denkt sich kein Zehnjähriger aus.“

Offenbar wurde das, was nun angeklagt ist, weil sich der mittlerweile Elfjährige einem anderen Kind anvertraut hatte und das Mädchen den Eltern davon erzählte.

Die Verhandlung soll im Dezember mit der Einvernahme weiterer Zeugen fortgesetzt werden. Möglicherweise kommen dann auch behandelnde Ärzte des Jungen zu Wort. Ob er selbst doch noch in den Zeugenstand muss, bleibt indes ungewiss. Richter Neidhardt will ihm das in jedem Fall ersparen. Eine Aussage stelle für ein Kind immer eine Belastung dar, erklärte er zum Prozessauftakt.

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