64-Jähriger ersteigert Minderjährige im Netz für Sex – Richterin verurteilt Täter zu Geldstrafe

Eine 15-Jährige hat mit einem 63-Jährigen angeblich eine Liebesbeziehung, sie verschwindet. Doch der bietet sie Männern zum Sex an. Nun verurteilte ein Hamburger Gericht einen Kunden – ein Fall mit Abgründen.

Eine 15-Jährige aus Schleswig-Holstein brennt mit einem 63-Jährigen durch. Weil beide Geld brauchen, bietet er das Mädchen für Sex im Internet an, an den Meistbietenden. Einer, der auf das Mädchen scharf ist, ist ebenfalls älter. Der 64-Jährige nimmt sie in seinen Transporter und hat nahe eines bekannten Hamburger Straßenstrichs sexuellen Kontakt mit ihr – für 30 Euro. Das Amtsgericht Hamburg-St.-Georg nimmt ihm am Dienstag nicht ab, dass er ihr wahres Alter nicht kannte. Die Richterin verurteilt ihn wegen Missbrauchs einer Minderjährigen zu 80 Tagessätzen à 15 Euro.

Der Angeklagte habe selbst eingeräumt, dass er sich kurz vorher bei einem gemeinsamen Gespräch mit der Jugendlichen und dem 64-Jährigen noch ihren Personalausweis zeigen ließ. Doch weil das Licht in dem Restaurant so schummerig war, habe er das Geburtsjahr 1999 für 1996 gehalten, erklärte der gelernte Gymnasiallehrer nach Angaben der Richterin. Nach der Anklageverlesung hatte sie die Öffentlichkeit zunächst ausgeschlossen.

Bruder bot zum Schein mit – Mädchen aufgespürt

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 64-Jährigen einen weiteren Vorwurf gemacht. Er sollte nach dem Missbrauch im Transporter der 15-Jährigen noch vorgeschlagen haben, sich für ihn auf dem Straßenstrich zu prostituieren. Von diesem Anklagepunkt spricht ihn die Richterin frei. Der Vorwurf beruhe vor allem auf Tagebuchaufzeichnungen des anderen älteren Mannes, der mit der 15-Jährigen eine Beziehung hatte. Die beiden hätten als Zeugen ausgesagt, die Aufzeichnungen entsprächen zum Teil der Fantasie, denn sie hätten das Tagebuch zu einem späteren Zeitpunkt zu Geld machen wollen.

Ihr Ex-Freund ist bereits wegen Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und des illegalen Besitzes einer Schreckschusspistole bestraft worden. Das Amtsgericht Rastatt (Baden-Württemberg) hatte ihn im Januar 2015 zu 180 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt. Dem damaligen Prozess war eine abenteuerliche Flucht des ungleichen Paares vorausgegangen.

Eines Montagmorgens im September 2014 war das Mädchen nicht von der Schule zurückgekommen. Die Mutter informierte die Polizei, die nach ihren Worten aber nicht aktiv wurde. Sie startete eine Suche mit Foto über Facebook. Nach einem Pressebericht darüber meldete sich ein Leser, der der Mutter einen Link schickte. Die 51 Jahre alte Altenpflegerin entdeckte Fotos, auf denen sich ihre halb nackte Tochter zum Sex anbot. Ein älterer Bruder und dessen Schwager boten zum Schein mit, bekamen den Zuschlag und spürten das Mädchen und den älteren Mann auf einem Campingplatz bei Rastatt auf.

 Kunde ist sich keiner Schuld bewusst

Die baden-württembergische Polizei habe sofort reagiert, berichtet die Mutter. Noch um Mitternacht hätten 20 Beamte den Mann festgenommen. Monate später folgte das für sie bestürzende Urteil: Eine Richterin am Amtsgericht Rastatt stellte fest, der 63-Jährige habe mit der 15-Jährigen eine einvernehmliche Liebesbeziehung gehabt. Darum die milde Strafe. Die Mutter beteuert dagegen am Dienstag: „Die hat mit Sicherheit nicht freiwillig mitgemacht.“

Sie habe mit ihrer jüngsten Tochter in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz gewohnt, wohin sie aus finanziellen Gründen gezogen sei, sagt die Mutter von insgesamt fünf Kindern. Der 63 Jahre alte Nachbar habe das Mädchen an Wochenenden auf Flohmärkte mitgenommen. „Ich habe geglaubt, die machen gute Geschäfte.“ Dann sei die Tochter plötzlich verschwunden. Nach all den Irrwegen lebt sie jetzt in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft. Das Hamburger Urteil sei für sie selbst „ein Schlag ins Gesicht“, sagt die Mutter.

Der nun verurteilte „Kunde“ der Tochter ist sich offenbar keiner Schuld bewusst. Er habe die Tat nicht bedauert, sagt die Richterin. Der Angeklagte macht in seiner Befragung zur Person, zu der die Öffentlichkeit wieder zugelassen ist, deutlich, dass er sich vom Leben ungerecht behandelt fühlt. Er habe nie als Lehrer arbeiten können, sei stattdessen lange in der Altenpflege tätig gewesen. „Ich kann Ihnen eine Menge über die Sexualität älterer Frauen erzählen“, sagt er an die Adresse der Richterin. Gegen das Urteil will er Berufung einlegen.

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Wordpress Anti-Spam durch WP-SpamShield