Appell einer Kinderärztin: Beachtet diese 7 Dinge, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen

Depressed poor child sitting on stairs. The boy is crying and hiding his face in hands.

Sexueller Missbrauch gehört zu den schlimmsten Dingen, die Kindern widerfahren können. Er hinterlässt tiefe Narben in Kinderseelen, die bis ins Erwachsenenalter immer wieder aufreißen können.

Natürlich wollen Eltern das um jeden Preis vermeiden. Oft sind die Täter jedoch im engen Umkreis der Familie zu finden und schwer zu identifizieren.

Die amerikanische Kinderärztin Tobi Adeyeye Amosun hat häufig mit Kindern zu tun, die sexuell belästigt oder missbraucht worden sind. Auf Facebook hat sie eine Liste mit Tipps veröffentlicht, die Eltern helfen soll, ihre Kinder zu beschützen:

Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe jeden Monat ungefähr ein bis zwei Kinder in meiner Praxis, die sexuell missbraucht oder belästigt worden sind. Ich möchte auf einige der häufigsten Szenarien eingehen, die ich kenne.

1. Der Ort eines Zwischenfalls ist den Eltern meist vertraut.

Aus meiner Erfahrung passiert es in den meisten Fällen bei Familienmitgliedern und Freunden. Die Altersspanne der Täter reicht von jungen Teenagern bis zu Erwachsenen im hohen Alter.

Es ist fast immer ein männlicher Cousin, bekannter Nachbar, Freund, Babysitter, Vater/Stiefvater, Onkel, Lebensgefährte.
Manchmal sind es auch Frauen, aber das kommt sehr selten vor.

Kirchengruppen sind die zweithäufigsten Schauplätze von Missbrauchsfällen, vor allem, weil es wenig Beaufsichtigung gibt. Schulen, Camps und Sportgruppen sind weitere Orte, allerdings unwahrscheinlicher, außer wenn einzelne Kinder mit Lehrern oder Trainern alleine sein dürfen.

Sprecht mit Schulen, Trainern und Kirchengruppen über ihre Vorkehrungen, um Kinder zu schützen. Es ist nicht perfekt, aber so macht ihr zumindest deutlich, dass ihr aufmerksame Eltern seid und es hilft, die Verantwortung zu unterstreichen, die diese Einrichtungen haben.

2. Übernachtungs-Partys. Ich wollte dies separat ansprechen, weil es ein heikles Thema ist.

Ich erlaube meiner Tochter, bei einigen ausgewählten Freunden zu übernachten (ungefähr fünf Familien). Bei Eltern, die ich nicht gut kenne, darf sie nicht übernachten. Ich bin außerdem gegen Übernachtungs-Partys mit vielen Kindern, bei denen ein Kind von der Gruppe getrennt werden kann, ohne dass es gleich auffällt.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich von Patienten gehört habe, dass sie während einer Übernachtungs-Party zum ersten Mal unangebracht berührt worden sind oder zum ersten Mal Pornografie gesehen haben. Ich bekomme nur eine einzige Chance, meine Kinder großzuziehen und ich bin lieber die gemeine Mutter und Spaßbremse als mit der anderen Möglichkeit konfrontiert zu werden.

3. Bitte benutzt angemessene Bezeichnungen für Körperteile.

Augen sind Augen, Knie sind Knie und Penisse sind Penisse. Bitte benutzt keine kitschigen oder ungenauen Worte wie Mumu, Schniepi, Maus usw. Es kann zu ungenauen Angaben führen, wenn etwas berichtet werden muss. Es führt außerdem nur zu Stigmatisierungen dieser Körperteile.

4. “Sichere Berührung” vs. “Schlechte Berührung”: Stellt sicher, dass Kinder den Unterschied kennen.

Sichere Berührungen erkläre ich immer so: Sie finden in Bereichen statt, die nicht durch einen Badeanzug bedeckt werden, also zum Beispiel Schultern, Kopf und Füße. Sichere Berührungen sind außerdem solche, die ein angenehmes, sicheres Gefühl vermitteln: die Umarmung einer Mutter zum Beispiel.

Schlechte Berührungen finden in den Bereichen statt, die von der Unterwäsche bedeckt werden. Es sind außerdem die Berührungen, die ein unangenehmes, nervöses oder ängstliches Gefühl auslösen. Wenn ein größerer Mensch einen Kleineren auf eine Weise berührt, die ihm unangenehm ist, ist das eine schlechte Berührung.

Ich sage Kindern immer, dass sie anderen Erwachsenen oder ihren Eltern von schlechten Berührungen erzählen sollen. Erklärt euren Kindern, dass sie in dieser Hinsicht keine Geheimnisse vor euch haben dürfen und dass sie NIEMALS Ärger bekommen werden, wenn sie so etwas erzählen.

5. Die Gefahr durch Fremde ist ein Trugschluss.

In den meisten Fällen findet sexuelle Belästigung von Kindern in der Familie statt. Nehmt euch aber auch vor dem sogenannten “Grooming” in Acht. Das passiert, wenn ein Mann (oder eine Frau) sich bei dem Kind und der Familie beliebt macht, um die Abwehr gewissermaßen zu schwächen.

Diese Menschen versuchen, eine vertrauensvolle Beziehung zu der Familie herzustellen und suchen nach Gelegenheiten, mit dem Kind alleine zu sein. Sie tun das, damit alle Anschuldigungen, die das Kind möglicherweise anbringen könnte, absurd erscheinen. Das ist in fast jeder Situation der Fall gewesen, die ich erlebt habe.

6. Achtet darauf, was eure Kinder auf Smartphones und Tablets sehen.

Vor allem auf den Geräten von Freunden, deren Eltern vielleicht nicht so genau darauf achten. Ich rate Eltern normalerweise, im Blick zu behalten, was ihre Kinder mit den Smartphones machen (Social Media, SMS), solange sie für diese bezahlen oder das Kind minderjährig ist.

Es gibt so viele clevere Wege, wie Kinder ihre Online-Aktivitäten verbergen können und die meisten Eltern sind in dieser Hinsicht völlig hilflos.

7. Das Wichtigste ist: Vertraut eurem Bauchgefühl.

Wenn jemand euch merkwürdig erscheint oder zu nett zu euren Kindern, vertraut auf euer Bauchgefühl und lasst eure Kinder mit diesen Personen nicht allein. Jeder von uns kennt Situationen, in denen man einfach höflich sein will – auch wenn jemand einem in Wahrheit Gänsehaut macht.

Es gibt ein tolles Buch mit dem Titel “Mut zur Angst: Wie Intuition uns vor Gewalt schützt”, in dem darum geht, dass Menschen manchmal vergessen, in potentiell gefährlichen Situationen auf ihre Intuition zu hören und warum es wichtig ist, dieser Wahrnehmung zu vertrauen.

Ich sperre meine Kinder nicht ein, so sehr ich sie auch vor allem beschützen möchte. Aber ich hoffe, dass diese praktischen Tipps von mir als Kinderärztin und Mutter helfen, einige potentiell gefährliche Situationen aufzeigen können und dazu beitragen, dass Kinder sich sicher fühlen. Übrigens: bei uns beginnt die Konversation über diese Themen im Alter von drei bis vier Jahren.

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