Bistum Osnabrück zu sexuellem Missbrauch: „Betroffene ernst nehmen“

Im Bistum Osnabrück hat es in den zurückliegenden Jahrzehnten 28 Hinweise auf Missbrauchsfälle gegeben. Sie bezogen sich auf 21 Personen, darunter auf 16 Geistliche der Diözese. Diese Zwischenbilanz teilte das Bistum jetzt mit.

Anlass war die Vorstellung des neuen Ansprechpartners für Missbrauchsfälle, des früheren Landgerichtspräsidenten Antonius Fahnemann. Die Fälle verteilten sich auf einen Zeitraum von sieben Jahrzehnten, hieß es.

Über die Zahl der Opfer sage dies nichts; sie sei auch nicht zu ermitteln, so der Justiziar des Bistums, Ludger Wiemker. 19 Anträge auf materielle Anerkennung erlittenen Leids wurden nach den Angaben von Opfern gestellt. Davon seien zwei abgewiesen worden. In den anderen Fällen seien Beträge zwischen 1.000 und 10.000 Euro ausgezahlt worden.

Ein bis zwei Meldungen pro Jahr

Überwiegend beziehen sich die Hinweise nach den Angaben auf Fälle, bei denen die Beschuldigten verstorben sind. Neben 16 Geistlichen der Diözese wurden drei sonstige kirchliche Mitarbeiter beschuldigt sowie zwei seit längerem dem Erzbistum Hamburg angehörende Geistliche. Die Hamburger Erzdiözese war 1995 hauptsächlich aus Teilen des Bistums Osnabrück neu gegründet worden.

Pro Jahr meldeten sich bei ihr ein bis zwei Personen, sagte die seit 2002 tätige zweite Ansprechpartnerin für Missbrauchsfälle, die Frauenärztin Irmgard Witschen-Hegge. Neben sexuellem Missbrauchs gebe es Hinweise auf Gewaltanwendungen und psychischen Missbrauch. Ein wichtiges Anliegen der Betroffenen sei immer wieder der Wunsch, angehört und ernst genommen zu werden. Viele wollten, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, anderen genüge eine Entschuldigung des Täters. Auch lange zurückliegende Ereignisse führten vielfach heute noch zu Konflikten im Alltagsleben der Betroffenen.

Bußakt von Bischof Bode überregional wichtig

Fahnemann und Witschen-Hegge betonten die überregionale Bedeutung des öffentlichen Bußakts von Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode 2010. Dieser hatte um Vergebung für die Kirche gebeten, indem er sich im Dom vor dem Altar auf den Boden gelegt und dort Minuten lang in Stille verharrte.

Fahnemann machte zudem deutlich, dass die Ansprechpartner an die Schweigepflicht gebunden seien. Allerdings würden die Betroffenen zu Beginn der Gespräche darauf hingewiesen, dass dann eine Weitergabe der Hinweise an die Strafverfolgungsbehörden und an kirchliche Gremien auf jeden Fall erfolge, wenn weitere Opfer nicht auszuschließen seien.

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