Brutale Mordfälle von Höxter – Opfer sollten sich wie Ertrinkende fühlen

Im Prozess um das „Horror-Haus“ von Höxter schildert die Angeklagte weiterhin detailliert, wie sie und ihr Ex-Mann Frauen gequält haben. Erstmals ging es an diesem Verhandlungstag auch um Geld.

Die angeklagte Angelika W. hat vor dem Landgericht Paderborn neue Folterdetails aus Höxter preisgegeben. Die 47-Jährige schilderte am Dienstag, wie sie und ihr mitangeklagter Ex-Mann eine Frau aus Magdeburg über Monate quälten. Dabei sollen die ersten Gewalttaten von ihrem Ex-Mann Wilfried W., 46, ausgegangen sein. So soll er der Frau gewaltsam kaltes Wasser eingeflößt haben, um ihr das Gefühl zu geben zu ertrinken. Dabei habe er dem Opfer mit einer scharfen Gefäßkante die Oberlippe aufgeschlitzt.

Bevor die Frau nach einigen Monaten nach Magdeburg zurückkehren durfte, musste sie ein Schriftstück unterschreiben, in dem sie versicherte, dass es nie zu Gewalttätigkeiten gekommen sei. Das hatte die 47-Jährige bereits an einem der ersten Prozesstage ausgesagt.

Erstmals äußerte sich die Angeklagte zu den Finanzen der beiden. Nach ihrer Schätzung hat das ehemalige Paar sich von mehreren Frauen rund 300.000 Euro erschlichen. Von ihrer eigenen Mutter hatte die Angeklagte 80.000 Euro bekommen. Die Ermittler fanden in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn 40.000 Euro Bargeld. Von einer der Frauen sollen es allein 55.000 Euro gewesen sein.

Paar hatte Pläne auszuwandern

„Die größte Einzelsumme von dieser Frau waren 5.000 Euro, ansonsten waren es Summen von 300 bis 500 Euro“, sagte Angelika W. vor Gericht. Die beiden – selbst Hartz-IV-Empfänger – hätten von ihren Opfern Bargeld verlangt, damit die Behörden bei Bewegungen auf ihren eigenen Konten nicht stutzig wurden. Gebraucht hätten sie das Geld unter anderem für die Interessen des Angeklagten wie Autos. Auch habe er Pläne gehabt auszuwandern.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früher verheirateten Paar vor, über Jahre hinweg Frauen nach Höxter gelockt und brutal misshandelt zu haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien, weitere Opfer entkamen. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord.

Seit Oktober 2016 dreht sich der Prozess bislang um die Aussage der Angeklagten. Angelika W. hat darin sich selbst und ihren Ex-Mann schwer belastet: Sie habe einen Großteil der Gewalttaten verübt, dabei aber im Sinne ihres Mannes gehandelt. Dieser habe auch sie immer wieder gequält. Wilfried W. schweigt bislang. Nach Angaben seiner Anwälte sieht er seine Ex-Frau als Haupttäterin.

 

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