Darf Baby Charlie doch leben? Sieben Ärzte und 350.000 Bürger könnten seinen Tod aufhalten

Solange er kämpft, kämpfen auch wir weiter“

Die tragische Geschichte von Baby Charlie aus London könnte eine überraschende Wendung nehmen. Der kleine Junge liegt im Great Ormond Street Krankenhaus – angeschlossen an Schläuchen. Denn Charlie hat eine seltene Erbkrankheit, für die viele Ärzte keine Heilung sehen, weshalb sie seine lebenserhaltenden Maßnahmen beenden wollen. Selbst Charlies Sterbedatum stand schon fest. Doch seine Eltern Connie Yates und Chris Gard kämpften für das Leben ihres Sohnes. Sie sammelten Unterschriften und sprachen mit Experten, die Charlie – genauso wie sie – nicht aufgeben möchten. Laut den Experten gebe es eine zehnprozentige Heilungschance. Jetzt soll das Gericht neu über Charlies Fall entscheiden.

„Viele Leute glauben, was hier passiert, ist falsch“

Baby Charlie liegt an Schläuchen angeschlossen im Krankenhausbett.
Im Fall von Baby Charlie gehen die Expertenmeinungen auseinander.

Eigentlich war es schon längst entschieden. Der elf Monate alte Charlie Gard sollte sterben. Sämtliche Klagen der Eltern waren vor Gericht gescheitert. Zu sicher waren sich die Ärzte, dass der kleine Junge nie mehr aufwachen würde. Laut ihnen leide Charlie Tag für Tag und lebenserhaltende Maßnahmen würden dieses Leiden lediglich verlängern. Es sei Zeit, sich zu verabschieden. Doch dieses Urteil konnten Connie Yates und Chris Gard nicht einfach so hinnehmen. Die liebenden Eltern kämpften für das Leben ihres einzigen Kindes und bekamen von vielen Seiten Unterstützung.

Rund 350.000 Unterschriften haben Charlies Eltern gesammelt. Unterschriften von Menschen, die Charlie nicht sterben lassen wollen. Der kranke Junge soll eine Chance auf eine experimentelle Therapie in den USA bekommen. Eine Bitte, die selbst vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg abgeschmettert wurde. Doch möglicherweise wendet sich das Blatt jetzt neu.

„Viele Leute glauben, was hier passiert, ist falsch. Alles was wir wollen, ist, unseren Sohn von einem Krankenhaus in ein anderes zu bringen, in dem es viele Spezialisten für Charlie gibt“, erzählt Chris Gard hoffnungsvoll. Denn der harte Kampf der Eltern hat sich gelohnt: Am 10. Juli 2017 wird noch einmal neu über Charlies Leben entschieden. Eine Entscheidung, bei der es, im wahrsten Sinne des Wortes, um Leben und Tod geht. „Wir hoffen, dass der Richter uns als Eltern und den anderen Experten vertraut. Wir haben jetzt sieben Ärzte, die uns unterstützen, die sagen, es gibt eine Chance, es gibt eine zehnprozentige Chance“, so Connie Yates.

„Wir sind immer bei ihm, wir wissen, dass er nicht leidet.“

Es sind genau die Ärzte, die erst die Maschinen abstellen wollten, die sich nun aber wünschen, dass erneut gerichtlich über Charlie Gard entschieden wird. Doch auch wenn Charlies Leben künstlich verlängert wird und die Therapie in den USA tatsächlich anschlägt, so würde Charlie sein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein. Zu groß seien seine Gehirnschäden. Kritiker sagen sogar, dass eine weitere Behandlung nur das Leiden des Jungen verlängern würde. Das jedoch sehen Charlies Eltern vollkommen anders. „Wir sind seine Eltern. Wir lieben ihn abgöttisch. Wir wollen von Herzen nur sein Bestes. Wir könnten ihn nicht leiden sehen. Wir sind immer bei ihm, wir wissen, dass er nicht leidet.“

Bis 14 Uhr müssen Connie Yates und Chris Gard nun um das Leben ihres kleinen Charlies bangen. Erst dann wird das Urteil endgültig gefällt.

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