„Der Pate“ muss für Missbrauch hinter Gitter

Ein 67-jähriger verheirateter Mann aus Amberg hat im Jahre 2014 vier kleine Kinder in insgesamt zwölf Fällen missbraucht.

AMBERG. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten ohne Bewährung hat das Schöffengericht am Amtsgericht Amberg am Donnerstag, 19. Januar 2017, einen 67-jährigen Mann verurteilt. Das Gericht sah es nach dem Verhandlungstag als erwiesen an, dass der aus Berlin nach Amberg zugezogene Mann in der zweiten Hälfte 2014 im nordwestlichen Landkreis Amberg-Sulzbach in zwölf Fällen sexuelle Handlungen an vier Kindern einer Familie – zwei fünf- und zehnjährigen Mädchen sowie zwei fünf- bzw. achtjährigen Buben – vorgenommen hat. Das Alter der Kinder habe er gekannt. Dies war demnach strafbar als sexueller Missbrauch von Kindern.

Am Vormittag wurden nach der Verlesung der Anklage Zeugen gehört. Nachher wurden per Videoeinspielungen die Aussagen der vom Missbrauch betroffenen Kinder gezeigt. Die Verteidigung hatte angekündigt, sie wolle die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Kinder prüfen lassen, also durch einen oder mehrere Sachverständige. Dies aber hat das Gericht abgelehnt; die beiden Rechtsanwälte des Mannes bedauerten dies später nachdrücklich.

Einlassung des Angeklagten

In der Befragung durch das Gericht sagte der Angeklagte, er habe zuerst eine Selbstanzeige gemacht, diese aber dann zurückgezogen und widerrufen. Und: „Diese Taten haben nie stattgefunden, so etwas habe ich nicht nötig.“ Im Übrigen zeigte sich der Rentner im Gerichtssaal eher wortkarg. Erst am Ende, nach der Einvernahme der Zeugen, sagte der Angeklagte: „Das ist absoluter Schwachsinn, was da behauptet wird, ich bin erschüttert!“

Die zuerst gemachte Selbstanzeige „tut mir leid“, sagte der 67-Jährige weiter. Er entschuldige sich nachdrücklich dafür, und: „Ich möchte diese meine Patenkinder wieder zurückhaben.“ Der Mann hatte demnach schon aus seiner Zeit in Berlin unter anderem das Recht bekommen, diese Kinder abzuholen. Alle, die zwei kleinen Mädchen und die zwei kleinen Jungen, stammen aus einer Familie, hieß es.

2014 waren der ältere Mann und die besagte Familie mit den Kindern von Berlin aus in die Region Amberg/Amberg-Sulzbach zugezogen. Es sei hier ein Haus angemietet worden.

Feststellung der Verteidigung

In den Plädoyers hatten die beiden Anwälte der Verteidigung Freispruch für ihren Mandanten gefordert: Die Beweise reichten nicht aus für eine Verurteilung. Ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit der kleinen Kinder sei abgelehnt worden, doch seien diese Kinder aus freien Stücken bei dem Mann gewesen, man habe geknuddelt und gekitzelt, sagten die Anwälte. Die Verteidigung machte geltend, die Eltern hätten etwas unternommen, wenn da etwas Unrechtes passiert wäre. Der Mann habe auch die Genehmigung gehabt, die Kinder zu beaufsichtigen.

Gehört wurden in der Beweisaufnahme auch Vertreter der Polizei, der Familienhilfe und des Jugendamts. Die Mutter und der Vater der Kinder wurden ebenfalls vernommen. Als sich die Mutter in Widersprüche verwickelte, ließ Staatsanwältin Michaela Frauendorfer die Frau im Gerichtssaal verhaften und in Handschellen den Sitzungssaal verlassen. Das Gericht ließ keinen Zweifel an der Überzeugung, dass die Taten so geschehen sind, wie sie in der Anklage geschildert worden sind.

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