Dreieinhalb Jahre für Kindesmissbrauch

Ein Riesaer muss in den Knast, weil er sich an einem Kind vergangen hat. Für das Urteil spielt der Tatort eine große Rolle.

Riesa. Simon F.* hatte in einem DDR-Jugendwerkhof sicher keine schöne Kindheit – als Erwachsener sorgt er dafür, dass es Kindern heute ebenso geht. In mindestens zwei Fällen wurde der Riesaer bereits für sexuellen Missbrauch an Mädchen verurteilt. Nun kam ein weiterer hinzu: dreieinhalb Jahre Gefängnis. Eine Haftstrafe, wie sie in Riesa selten verhängt wird. Vier Jahre sind das Höchstmaß am Amtsgericht. – Der Prozess hatte Anfang voriger Woche begonnen.

Das Schöffengericht sah es am Ende als erwiesen an, dass F. nach einem Trinkgelage bei einem Freund ins Zimmer von dessen damals elfjähriger Tochter gegangen war, ihr dort das Oberteil hochzog, sie auf den Bauch küsste und ihre Brust berührte. Da er sich nicht äußern wollte, musste die heute 13-Jährige unter Tränen aussagen. Der Riesaer wurde derweil vor die Tür geschickt. – Doch trug sie in jener Nacht Leggins? Oder wie sie bei der Polizei gesagt hatte eine Strumpfhose? Einen Pulli? Im Sommer? F.s Verteidiger wollte zum Schluss noch einmal auf Widersprüche hinweisen. Doch das Gericht glaubte dem Mädchen, das seit dem Vorfall psychologisch betreut wird.

Das Mädchen ist nicht die Einzige mit schlechten Erinnerungen an F. Eine 49-Jährige berichtete im Prozess von einer versuchten Vergewaltigung in ihrer Wohnung. Das Gericht musste sich voll auf die Aussagen der Opfer stützen – handfeste Beweise gab es nicht. Was wohl auch an den Tatorten liegt. „Das waren geschützte, intime Räume“, so Richter Herbert Zapf. Dass F. in diese eingedrungen ist und damit die Arglosigkeit der Menschen ausnutzte, wertete er als weiteres Indiz dafür, dass es ihm erheblich an Respekt mangelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

*Name von der Redaktion geändert.

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