Erschreckende Zahlen! Sexueller Kindesmissbrauch so verbreitet wie Diabetes

Kinder im Grundschulalter sind am häufigsten von sexuellem Missbrauch betroffen. (Symbolbild) © Foto: Pixabay, DPA

Kreis Paderborn – Es sind erschreckende Zahlen: In einer Befragung von 2504 Menschen zwischen 14 und 90 Jahren gaben 12,6 Prozent an, in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein.

Noch erschreckender ist nur die Tatsache, dass Experten die Dunkelziffer etwa 10 bis 20 Mal höher schätzen als die Zahl der Strafanzeigen. Damit ist sexueller Kindesmissbrauch in Deutschland ungefähr so verbreitet wie Diabetes. Die meisten Opfer sollen im Grundschulalter sein.

Diese Fakten nannte Werner Meyer-Deters, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft zur Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung, im Rahmen der Fachtagung „Kein Raum für Missbrauch“ im Liborianum in Paderborn, wie der Kreis Paderborn mitteilt.

Das Ziel der Tagung: Schulleitungen, Schulsozialarbeiter sowie Krisenteammitglieder von Einrichtungen sollen „gemeinsam Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt“ entwickeln und auf den Weg bringen, so Andreas Neuhaus, stellvertretende Leiter der Schulberatungsstelle des Kreises.

„Missbrauch darf hier bei uns keinen Raum finden. Wir müssen gemeinsam schützende Strukturen entwickeln und anwenden“, betonte der stellvertretende Landrat des Kreises Paderborn, Vinzenz Heggen, der auch stellvertretender Vorsitzender des Schul- und Sportausschusses des Kreises ist.

Aufgabe der Lehrkräfte sei es nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch Veränderungen ihrer Schüler zu bemerken. Gerade in Schulen müssten Kinder, die Opfer von sexuellem Missrauch sind, „ein kompetentes, verstehendes und helfendes Gegenüber finden“, sagt die Leitende Regierungsschuldirektorin der Bezirksregierung Detmold, Rita Berens.

Nicht selten führe der Missbrauch zu schulischen Misserfolgen und später auch zum beruflichen Scheitern.

Das Problem: „Es gibt keine eindeutigen Symptome, die auf Missbrauch hinweisen“, weiß Meyer-Deters. Scham und Schuldgefühle, Einsamkeit und Sprachlosigkeit, Zerstörung der inneren Sicherheit und des Vertrauens in andere Menschen, das alles seien Folgen für die Opfer. Die Angst sei groß, keinen Glauben zu finden, was mit ein Grund für die hohe Dunkelziffer sei.

Die Täter sind geschickt: Oft suchen sie sich Jobs, bei denen sie leicht in Kontakt mit Kindern kommen und eine Art Vertrauensverhältnis aufbauen können. „Aber auch hier gibt es keine Kriterien, die eindeutig für eine mögliche Täterschaft sprechen.“

Die wenigsten Täter sind einschlägig vorbestraft. Es seien oft Menschen, die besonders engagiert sind und geschickt darin seien, ihr Umfeld für sich einzunehmen.

Wie perfide Täter vorgehen, weiß Meyer-Deters: In seiner Praxis habe er mal einen Täter befragt, der ihm sagte, dass er nur etwa 16 Prozent seiner kreativen Energie benötige, um das Kind für sich zu gewinnen. Auf die Frage, wofür er die verbleibenden 84 Prozent nutze, habe er geantwortet, „für das Umfeld, damit niemandem etwas auffällt“.

Sexuelle Gewalt muss nicht immer durch Erwachsene geschehen. Auch Gleichaltrige können zu Tätern werden. Dabei sind die Gesichter vielfältig: Sie reichen von sexistischen Sprüchen über sexuelle Belästigung im Internet bis zur Vergewaltigung.

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