Freispruch für 18-Jährigen nach Schwimmbad-Vorfall in Freiburg

Das Amtsgericht Freiburg hat einen 18-Jährigen vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern freigesprochen. Dem jungen Mann, der aus Somalia stammt und seit 2013 in Deutschland ist, war vorgeworfen worden, im Juni diesen Jahres zwei zwölfjährige Mädchen im Haslacher Hallenbad begrapscht zu haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Berührung: ja – Grabschen: nein

Dass Geedi F. (Name geändert) den Kindern im Schwimmbad nahe gekommen war, daran bestand am Ende der Verhandlung vor Jugendrichterin Julia Heilshorn kein Zweifel. „Es wurde aber nicht mit der notwendigen Sicherheit festgestellt, dass ihr Verhalten absichtlich und zielgerichtet war“, sagte sie in ihrer Urteilsbegründung. „Deswegen sind sie freizusprechen.“

Der Vorwurf gegenüber F. wog schwer. Im Schwimmerbecken des Haslacher Hallenbad habe der junge Mann einer Zwölfjährigen den Bikiniträger von der Schulter gestreift und sie an der Brust berührt, eine andere habe er an der Schulter gepackt. Zu seiner Verteidigung brachte F. vor, er habe als Nichtschwimmer im Schwimmerbecken lediglich an den Mädchen vorbei gewollt und in Panik nach dem Beckenrand gegriffen und dabei die Mädchen berührt.

Eine unangenehme Situation ohne strafrechtliche Relevanz

Vier junge Mädchen waren als Zeuginnen geladen. Sie beschrieben, dass die Mädchengruppe sich im Wasser am Beckenrand aufgehalten hätten, als ein Freund von F. ihnen auf Englisch gesagt habe, dass F. nicht schwimmen könne. F., der sich bis dahin am Beckenrand festgehalten habe, sei um sie herumgestrampelt und -gepaddelt. Beim Griff in Richtung Beckenrand seien für einige Sekunden die Berührungen an Brust und Schulter passiert, ein drittes Mädchen habe er mit dem Arm im Gesicht getroffen, allerdings ohne dass dieses Schmerzen erlitt.

Die Mädchen gingen zum Bademeister, weil sie vermuteten, F. habe sein Nichtschwimmenkönnen nur vorgetäuscht, und sie absichtlich berührt. Dafür lobte Richterin Julia Heilshorn die jungen Zeuginnen. „Es ist gut, dass ihr euch an den Bademeister gewandt habt, als euch die Situation seltsam vorgekommen ist“, sagte sie.

Einem Gutachter musste F. zeigen, ob er schwimmen kann

Ein Fachgutachter war aufgerufen zu bewerten, ob R. schwimmen könne oder nicht. Das sei grundsätzlich schwierig zu bewerten, da auch gute Schwimmer Nichtschwimmen simulieren könnten. „Ich konnte bei ihm aber keine Schwimmfähigkeit feststellen“, sagte der Dozent für Wasserrettung und Schwimmlehre. F. habe zwar keine Scheu vor dem Wasser, könne aber selbst einfachste Schwimmübungen nicht absolvieren. Bei der Begutachtung habe er sofort nach allem gegriffen, was in Reichweite sei, sobald er keinen Boden unter den Füßen mehr gehabt habe.

Genau das sei auch im Hallenbad passiert, urteilte schließlich Richterin Heilshorn. „Die Mädchen haben sich bedrängt gefühlt, ihnen war die Situation unheimlich“, stellte sie fest. „Strafrechtlich war der Tatbestand des Kindesmissbrauchs aber nicht nachzuweisen.“ Sie mahnte den Schüler, der seit seiner Ankunft in Deutschland bereits Haupt- und Realschulabschluss gemacht hat und nun eine einjährige Ausbildungsvorbereitung besucht, ähnliche Situationen aktiv zu vermeiden. „Kinder dürfen nicht berührt werden.“

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