Fünf Jahre Haft für sexuellen Missbrauch in mehr als 400 Fällen

Das Landgericht hat an der Glaubwürdigkeit des Opfers keinen Zweifel. Foto: Ingo Schneider

Ein Mann soll die Tochter seiner ehemaligen Lebenspartnerin in Breisach mehr als 400 Mal sexuell missbraucht haben. Die Taten kamen erst Jahre später ans Licht. Jetzt wurde der Mann zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Seine Unschuldsbeteuerungen halfen ihm nichts: Die Dritte Große Strafkammer des Freiburger Landgerichts hat einen Mann wegen sexuellen Missbrauchs der Tochter seiner früheren Lebensgefährtin in Breisach in 409 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Darüber hinaus muss der 58-Jährige an die heute 22-Jährige ein Schmerzensgeld in Höhe von 6000 Euro bezahlen. Ein Haftbefehl wurde gegen den frisch Verurteilten mangels Fluchtgefahr nicht erlassen.

Missbrauch kam nebenbei ans Licht

Keinerlei Zweifel hatten laut Urteilsbegründung die Richter an den belastenden Aussagen der jungen Frau. Zumal sie nicht von sich aus zur Polizei gegangen war. Vielmehr war der Missbrauch während einer Zeugenvernehmung in anderer Sache und nur nebenbei zur Sprache gekommen. Damit wiesen die Richter die Erklärung des Angeklagten zurück, dass die Anzeige aus Rache über seine Trennung von ihrer Mutter ergangen sei.

Knapp zwei Jahrzehnte lang waren der Angeklagte und die Mutter der zwischen ihrem siebten und 18. Lebensjahr missbrauchten Tochter ein Paar. Erstmals hatte die Tochter mit sieben Jahren gegenüber ihrer Mutter deren Partner beschuldigt, dass er sie anfasse.

Verhalten falsch interpretiert

Dem Angeklagten war es damals jedoch gelungen, die Zweitklässlerin mit der Drohung, dass sie das Leben ihrer Mutter zerstöre, wenn die diesen Vorwurf nicht zurücknehme, zum Widerruf zu bringen. Bis heute macht sich ihre Mutter Vorwürfe, auffällige Verhaltensweisen der Tochter und ihres damaligen Lebensgefährtin als belanglos interpretiert zu haben.

Sie habe weder glauben noch wahrhaben wollen, dass ihr Lebensgefährte ihre Tochter über viele Jahre hinweg sexuell missbraucht habe. Bis heute falle ihr schwer, das Unvorstellbare als wirklich geschehen anzunehmen. Diese Aussage, so der Vorsitzende Richter Arne Wiemann in seiner mündlichen Urteilsbegründung, widerlege die Erklärung des Angeklagten, dass Mutter und Tochter ein rächendes Komplott mit Falschaussagen gegen ihn geschmiedet hätten.

Thema bei einer Familienfeier

Die Mutter erinnerte sich als Zeugin an Aussagen der Schwester des Angeklagten und deren Tochter, dass er auch sie in ihrer Jugend sexuell missbrauch habe. Darüber sei bei einem Telefonat und bei einer Familienfeier gesprochen worden.

In den Zeugenstand gerufen, wiesen die Schwester des Angeklagten und ihre Tochter diese Vorwürfe aber weit von sich. Als enge Verwandte des Angeklagten hätten sie schweigen dürfen. Doch sie sagten aus. Folgt man Richter Arne Wiemann, haben sie als Zeuginnen mit ihren Aussagen sichtlich ihren Bruder vor dem Gefängnis bewahren wollen.

Verdacht der Falschaussage

Das bringe sie in den Verdacht einer Falschaussage. Die wäre strafbar. Laut Wiemann hat die Nichte des Angeklagten berichtet, dass sie in einer Nacht mit ihrem Onkel in einem Bett geschlafen habe, obwohl in der Breisacher Wohnung ein anderes Bett frei gewesen sei.

In dieser Nacht sei es aber zu keinem sexuellen Missbrauch gekommen. Die frühere Lebensgefährtin des Angeklagten hatte ausgesagt, dass die Zeugin ihr erzählt habe, dass sie in jener Nacht sexuell missbraucht worden sei. Aussage stand gegen Aussage.

Vorstrafe gestrichen

Doch die Zeugin, auf die wie auf ihre Mutter ein Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage zukommen könnte, erinnerte sich im Zeugenstand daran, als Kind von einer anderen Person, die sie nicht nennen wolle, missbraucht worden zu sein.

Bei der Strafzumessung ist das Freiburger Gericht davon ausgegangen, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist, weil eine einschlägige Vorstrafe des heute 58-Jährigen wegen Zeitablaufs aus dem Vorstrafenregister gestrichen worden ist. Während der Verhandlung war dieses Verfahren jedoch von mehreren Prozessbeteiligten angesprochen worden.

Danach war der Angeklagte bereits einmal wegen sexuellen Missbrauchs einer Siebenjährigen zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Auch damals hatte der Angeklagte die Tat bestritten. Und seine Familie scheint davon auszugehen, wie seine Schwester und Nichte mit ihren Aussagen zu erkennen gegeben haben, dass er unschuldig verurteilt worden sei.

An der Glaubwürdigkeit der Aussagen der 22-Jährigen im jetzt verhandelten Missbrauchsfall hatte das Gericht keinerlei Zweifel. Für glaubhaft und realitätsbezogen hatte auch eine Gutachterin die Aussagen der jungen Frau eingestuft. Der frisch verurteilte 58-Jährige hat nun eine Woche Zeit, um Rechtsmittel einzulegen.

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