Gefängnis für Missbrauch des eigenen Babys

Es ist eine unfassbare Tat: Weil er seine erst sechs Wochen alte Tochter sexuell misshandelt hat, muss ein 30-jähriger Stadtlohner für drei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis.

STADTLOHN. 35 Sekunden dauern die schockierenden kinderpornografischen Szenen des Handyvideos. Die Bilder zeigen die sexuelle Misshandlung seiner erst sechs Wochen alten Tochter. Dafür muss ein 30 Jahre alter Stadtlohner drei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis.

Kein Eindringen nachweisbar

Vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts in Münster ist am Dienstag am dritten Verhandlungstag das Urteil gegen den Vater gefällt worden. Der 30-Jährige hatte im Dezember 2015 in einem kinderpornografischen Chat mit einem Unbekannten zunächst pädophilen Fantasien freien Lauf gelassen sowie Bilder und Videos getauscht, die, so der Richter, „schwerste sexuelle Missbräuche von Kleinkindern zeigten“. Dann missbrauchte er seine eigene Tochter und bot seinem Chatpartner die Filmaufnahmen seiner Tat zum Tausch an.

Allein für den sexuellen Übergriff hielt das Gericht eine dreijährige Haftstrafe für erforderlich. Zwei bis fünfzehn Jahre sind je nach Schwere der Tat im Gesetz vorgesehen. „Es gibt deutlich schwerere Fälle von sexuellen Übergriffen“, so begründete der Richter die Entscheidung des Gerichts für ein Strafmaß am unteren Ende. Schließlich sei keine körperliche Gewalt und kein Eindringen nachweisbar. „Viel fehlte aber nicht“, so der Richter.

Einsicht und Reue gezeigt

Das Gericht fasste beim Urteil Einzelstrafen zur Gesamtstrafe von drei Jahren und sieben Monaten zusammen. Strafmildernd wertete das Gericht das frühzeitige Geständnis des Angeklagten, die Tatsache, dass er nicht vorbestraft sei sowie die Einsicht und Reue, die er zeige. Die abgesessene halbjährige Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer vier Jahre und neun Monate gefordert. Er hatte Zweifel an der vollen Einsichtsfähigkeit des 30-Jährigen. Der Angeklagte habe „in Abrede gestellt, dass die Tat sexuell motiviert war“. Der Angeklagte hatte nach eigenen Aussagen vor allem seinem Chatpartner imponieren wollen. Ohne tiefere Einsicht aber, so der Staatsanwalt, werde der Angeklagte seine pädophilen Neigungen auch in Zukunft nicht beherrschen können. Er betonte: „Es wäre eine naive Annahme zu glauben, dass das Kind niemals davon erfahren wird. Das Trauma ist nur in die Zukunft verschoben.“

Der Verteidiger gab in seinem Plädoyer unumwunden zu: „Es gibt nichts zu beschönigen. Die Staatsanwaltschaft hat vieles gesagt, was richtig ist.“ Der Verteidiger betonte aber, dass sein Mandant „gewisse sexuelle Neigungen zu jungen Menschen und Kindern“ eingeräumt habe. „Er muss daran arbeiten, das weiß er auch.“

Der Angeklagte selbst nahm am Ende der Verhandlung das Urteil ohne Widerspruch an.

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