Gerichtsurteil in Troisdorf Cousinen bekamen Taschengeld für Sex

 BONN/TROISDORF. 15.000 Kinderpornos haben einen Fall von Kindesmissbrauch nach sechs Jahren ans Licht gebracht. Das Bonner Landgericht hat den 31-jährigen Täter jetzt zu vier Jahren Haft verurteilt.

Der Fall von Kindesmissbrauch wäre nie ans Tageslicht gekommen, und war bei den Beteiligten fast schon in Vergessenheit geraten. Aber das Bundeskriminalamt in Wiesbaden war durch eine Flut von kinderpornographischem Material auf einen 31-Jährigen aus Troisdorf aufmerksam geworden.

15 000 Dateien hatte der Mann sich auf seinen Rechner heruntergeladen. Grund genug für die Ermittler, mal „vorbeizuschauen“. Bei der Hausdurchsuchung fanden sie auf seiner Festplatte neben dem Material, mit dem sie gerechnet hatten, zudem noch obszöne Sexfilme mit Kindern, die offenbar „hausgemacht“ waren. Der Angeklagte räumte sofort ein, dass die zwei Mädchen auf den Handyvideos seine Cousinen sind, die zu Beginn der sexuellen Übergriffe sieben und acht Jahre gewesen waren.

Acht Jahre nach dem schweren Kindesmissbrauch hat die Jugendschutzkammer des Bonner Landgerichts den Troisdorfer in 30 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre lang waren die beiden jungen Cousinen bei ihm vorbeigekommen. Für ihre „Sexdienste“ wurden sie mit Taschengeld – mal waren es zwei, mal fünf Euro – entlohnt. Auch gab er ihnen Pfandflaschen, die sie einlösen und das Pfandgeld behalten durften. Oder er lud ihnen Filme herunter, die sie gerne sehen wollten. „Die Mädchen“, rechtfertigte sich der Angeklagte, „kamen oft freiwillig, wenn sie wieder Taschengeld brauchten.“

Für die Bonner Jugendrichter gab es dennoch kein Pardon: „Auch wenn die Kinder freiwillig gekommen sein sollten, ist das ein schweres Verbrechen“, hieß es im Urteil. Der Angeklagte habe die kindliche Neugier der Mädchen schamlos für seine pädophilen Neigungen ausgenutzt. Durchaus ungewöhnlich an dem Fall: Die beiden Cousinen sind durch die Übergriffe offenbar nicht traumatisiert. Denn als die Polizei die Frauen, heute 17 und 18 Jahre alt, befragen wollte, sei eine der beiden Cousinen regelrecht überrascht gewesen.

 Sie habe die zweijährige Episode vergessen, komplett aus ihren Erinnerungen gestrichen, berichtete ein Polizeibeamter durchaus erstaunt im Prozess. Die Zweite soll bis heute noch freundschaftlichen Kontakt mit dem Angeklagten haben.

Beide Frauen wurden im Prozess nicht persönlich gehört: Wegen des Geständnisses mussten sie nicht als Zeuginnen vor Gericht erscheinen.

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