Haftstrafe für 38-Jährigen nach Kindesmissbrauch. Der Angeklagte hatte gestanden, seine Nichte missbraucht zu haben.

Bereits am ersten Verhandlungstag in Schweinfurt wurde dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit attestiert. Symbolfoto: Ulrike Müller

Ein 38-jähriger Sexualstraftäter aus dem Landkreis Bad Kissingen ist am Donnerstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der gelernte Metallfachwerker hat seine achtjährige Nichte zwischen September 2016 und Januar 2017 mindestens viermal sexuell missbraucht – in drei Fällen besonders schwer. Dabei hat er Fotos vom Intimbereich des Mädchens gemacht. Der Angeklagte gestand seine Tat bereits zum Prozessauftakt am 15. November vor Gericht.
Zu Beginn der Ermittlungen sei man noch von sexuellem Missbrauch auf „niederschwelligen Niveau“ ausgegangen, schilderte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Erst durch die pornografischen Bilder, die der Verurteilte während seiner sexuellen Handlungen am Kind machte, sei das volle Ausmaß der Übergriffe bekannt geworden. In der Anklageschrift waren zunächst fünf Fälle benannt – bei zwei Übergriffen sei laut Gericht jedoch nicht sicher, ob sie an verschiedenen Tagen stattgefunden haben. Sie wurden vom Gericht daher zugunsten des Verurteilten als eine Einzeltat gewertet.

Volle Schuldfähigkeit attestiert

Der 38-Jährige habe von Anfang an frei zu seinen Taten Stellung genommen, wodurch dem Kind eine Anhörung vor Gericht und damit eine „hohe Belastung“ durch die erneute Begegnung des Mädchens mit ihrem Onkel erspart geblieben sei.
Der Mann hat sich laut Staatsanwaltschaft andererseits zusätzlich selbst belastet, in dem er seinen persönlichen Stress, die Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren, als Ursache für sein Verhalten vorschob. Auch durch die Angaben des Verurteilten, die Nichte habe seine Nähe gesucht und es ihm „nicht leicht gemacht“, werde die Schuldfähigkeit nicht gemindert.
Der psychiatrische Sachverständige hatte dem Mann bereits am ersten Verhandlungstag volle Schuldfähigkeit attestiert. Der 38-Jährige habe keine Persönlichkeitsstörung und sei intellektuell im Stande gewesen, sein Verhalten zu bewerten.
Bei seiner Tat sei er in gewissem Maß „gesteuert“ vorgegangen, jedoch nicht von seinem Trieb übermannt worden, da es nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Der Verteidiger plädierte daher, „ohne die Schwere der Straftat verharmlosen“ zu wollen, für ein geringeres Strafmaß: vier Jahre und sechs Monate.

Große Rückfallgefahr

„Die Pädophilie hat noch nicht das Maß einer krankhaften Störung erreicht“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Hemmschwelle werde aber mit jedem weiteren Mal sinken. Schon zweimal ist der Mann wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Bereits 1998 und 2006 hatte er sich an Kindern vergangen. Die Rückfallgefahr sei groß. Für das Mädchen hat der Missbrauch laut dem Vorsitzenden des Gerichts erhebliche Auswirkungen: Sie werde durch wiederkehrende Flashbacks und Schlafstörungen belastet und habe Probleme in der Schule sowie einen Leistungsabfall, was laut der Vertreterin der Nebenklage, auf eine posttraumatische Belastungsstörung hinweisen könnte. Zudem sei es zu einem Bruch des Familienverbands mit weitreichenden Folgen für die Familie des Opfers gekommen; diese sei in einen anderen Landkreis gezogen, um den weiteren Kontakt mit dem Onkel zu vermeiden. Seit September befindet sich das Mädchen in psychotherapeutischer Behandlung.

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