Hamburger Kinderschänder steht erneut vor Gericht

Der 71-jährige Olaf R. hatte mehrere Jungen angesprochen und einem sogar Geld geboten, damit er ihn nach Hause begleitet.

Hamburg.  Einer der berüchtigtsten Hamburger Kinderschänder, der Pädagoge Olaf R., beschäftigt wieder einmal die Justiz. Von Mittwoch an verhandelt das Amtsgericht Altona gegen den 71-Jährigen: Ihm wird eine Beleidigung auf sexueller Basis und ein Verstoß gegen Weisungen während der Führungsaufsicht vorgeworfen.

Der 71-Jährige soll im Oktober und im November 2015 drei Kinder angesprochen und damit gegen gerichtliche Weisungen verstoßen haben. Die Justiz hatte ihm bereits im August 2014 jegliche Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen untersagt.

Er bot einem Jungen 100 Euro, damit er ihn begleitet

Am 21. Oktober 2015 soll Olaf R. in Altona (Zeißtwiete) einen zwölf Jahre alten Jungen gefragt haben, ob er bereit sei, als Model für Bademoden Bilder von sich machen zu lassen. Als der Junge, vom Äußeren des Mannes abgeschreckt, weglaufen wollte, soll ihm Olaf R. ans Gesäß gegriffen haben.

Am 11. November soll Olaf R. am Hauptbahnhof einen 14-Jährigen angesprochen und gefragt haben, ob er gegen Zahlung von 100 Euro mit ihm nach Hause kommen und ein Computerspiel mit ihm spielen wolle. Am 25. November soll er schließlich im Saturn an der Mönckebergstraße einen weiteren 14-Jährigen angesprochen und nach einem Computerspiel gefragt haben.

„Pestalozzi des 20. Jahrhunderts“

Genau dort, am Hauptbahnhof und bei Saturn, hatte Olaf R. 2013 seine letzten Opfer gefunden, einen zehn und einen zwölf Jahre alten Jungen. Weil er sich an dem Zehnjährigen vergangen hatte, schickte ihn das Landgericht im September 2013 für weitere 15 Monate in Haft. Die Richterin damals: „Man erwartet fast den Rückfall.“ Im Herbst 2014 kam er wieder auf freien Fuß.

Olaf R. stand mehrfach vor Gericht. Seit den 70er-Jahren nahm der Mann Ausreißerkinder bei sich auf, galt als Reformpädagoge. Der damalige Sozialsenator Jan Ehlers bezeichnete ihn gar als „Pestalozzi des 20. Jahrhunderts“. 1997 musste die Polizei aus seiner Wohnung einen seit einem Jahr vermissten Neunjährigen gewaltsam befreien. Ihn und einen 16-Jährigen hatte Olaf R. über Monate in verschiedenen Wohnungen untergebracht und sexuell missbraucht. 1998 verurteilte ihn das Landgericht deshalb zu sechseinhalb Jahren Haft. Sein Schlusswort dauerte damals mehrere Stunden.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Mai 2016 Anklage erhoben. Weil andere Haftsachen jedoch beschleunigt verhandelt werden mussten, stand der Prozess gegen Olaf R. hintenan. Die Behörde ging in einem der nun angeklagten Fälle sogar von einem erneuten sexuellen Kindesmissbrauch aus und beantragte Haftbefehl. Aus Sicht des Gerichts lagen die Voraussetzungen dafür jedoch nicht vor.

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