Heiligenhauser gesteht 78-fachen Missbrauch des Stiefsohns

WUPPERTAL/HEILIGENHAUS.  Ein Heiligenhauser hat vor dem Landgericht Wuppertal den Missbrauch seines zehnjährigen Stiefsohns zugegeben. Abwesenheit der Mutter ausgenutzt.

Ein 45-jähriger Angeklagter aus Heiligenhaus hat den jahrelangen sexuellen Missbrauch seines Stiefsohns gestanden. Bei Beginn des Missbrauchs sei der Junge zehn Jahre alt gewesen. Der Mann erklärte vor dem Landgericht in Wuppertal: „Ich habe nicht nachgedacht. Ich habe einfach gemacht.“

Zu Prozessbeginn am Montag bestätigte der Mann bis zu 78 Übergriffe, mutmaßlich begangen innerhalb von zwei Jahren ab 2011. Tatorte waren demnach mehrere frühere Wohnungen des Mannes beziehungsweise der Familie, verteilt über das Stadtgebiet von Mettmann. Wenn die Mutter unterwegs war, sei es zu Hause zu sexuellen Handlungen gekommen. Bis zu zweimal pro Woche.

Der Stiefsohn hatte wohl schließlich einer Bekannten von dem Geschehen erzählt. Es folgten Ermittlungen der Kriminalpolizei. Der Junge soll sich derzeit in psychologischer Behandlung befinden.

Angeklagter lebt nun getrennt

Der Angeklagte, ein Handwerker, lebt inzwischen getrennt. Sein Anwalt, Dr. Martin Rademacher, hatte dem Gericht das Geständnis angekündigt. Stiefsohn und Mutter sollten vorab darüber informiert werden. Der immense Druck in der Sache sollte raus.

Der Angeklagte sprach bei der stundenlangen Aussage im Gericht mit brüchiger Stimme und rang mehrfach um Fassung. Zum ersten Übergriff sei es „beim Käbbeln“ gekommen, bei einem Übernachtungsbesuch des Jungen beim Angeklagten: „Ich war erregt. Und er auch.“ Der Vorsitzende Richter hakte nach: „Woher wissen sie das?“ Die Antwort: Er habe dem Jungen im Spiel absichtlich in den Schritt gefasst, um das heraus zu finden. Schließlich habe man sich im Intimbereich körperlich verglichen.

Urteil bereits am Dienstag möglich

Aus dieser ersten Handlung sei alles weitere gefolgt, erklärte der 45-Jährige. Und nein: Von Ausflüchten oder gar Gegenvorwürfen ist keine Rede. Nur an einzelne Tage könne er sich nicht erinnern. Der Richter stellte klar: „Wenn Sie es nicht mehr wissen, dann ist das so. Ich will nicht, dass Sie Quatsch erzählen.“ Und: „Ich kann verstehen, dass Ihnen peinlich ist, darüber zu sprechen. Aber es hilft nichts.“

Der inzwischen jugendliche Stiefsohn ist Nebenkläger im Verfahren. Das gibt ihm Akteneinsicht und weitere Rechte. An der Verhandlung nahm er bislang nicht teil. Als erste Zeugin soll am Dienstag (31. Januar) die Mutter aussagen. Laut Vorsitzendem Richter wird es dabei vor allem um einen Punkt gehen: „Wie geht es dem Jungen heute, wie hat er das überstanden. Das sind die brennenden Fragen.“ Das Urteil ist dann bereits am Nachmittag möglich.

>>>JE TAT ZWEI JAHRE GEFÄNGNISSTRAFE

  • Das Gesetz sanktioniert den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern mit mindestens zwei Jahren Gefängnis für jede einzelne Tat.
  • Bewährung ist bei Strafe von weniger als zwei Jahren möglich. Bei ausnahmsweise milderer Bestrafung ist eine Gefängnisstrafe zwischen einem und zehn Jahren für jede einzelne Tat möglich. Das Gericht entscheidet je nach den Gesamtumständen.

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