Infos für Eltern und Familien

10330514_1130382960320214_6725948958331971538_nWie schütze ich mein Kind?

Von Geburt an tragen Sie als Eltern eine große Verantwortung gegenüber ihren Kindern ? Sie sind Bezugsperson, Ansprechpartner und Vorbild. In dieser Funktion können Sie viel dazu beitragen, Ihre Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Die beste „Schutzimpfung“, die Sie ihren Kindern mitgeben können, ist eine Erziehung zu einem selbstbewussten, kritischen Menschen. Wobei Selbstbewusstsein nicht verwechselt werden sollte mit Missachtung aller Regeln.

 

Auf das Bauchgefühl vertrauen

Kinder sollten noch vor dem Kindergartenalter wissen, dass ihr Gefühl ihr wichtigster Verbündeter ist. Auf dieses sollten sie hören, wenn ihnen etwas „komisch“ vorkommt. Dazu ist es notwendig, dass sie sensibilisiert sind. Die Erziehung ist sehr oft darauf abgestellt, das Gefühl zu Gunsten erlernter Regeln zu verdrängen. Eine schwere Aufgabe für Eltern, hier über ihren eigenen Schatten zu springen und auch Gefühle zuzulassen, um den Kindern das Wahrnehmen von Gefühlen vorzuleben und sich von den Kindern manchmal selbst in Frage stellen zu lassen. Kinder müssen nicht zum „Nein-Sagen“ erzogen werden, vielmehr soll man ihnen zu verstehen geben, dass es ein „Nein“, ein „Ja“ und ein „Vielleicht“ gibt.

 

Dein Körper gehört dir allein

Niemand darf die Unantastbarkeit eines Kinderkörpers verletzen. Natürlich gilt das nicht für den Arztbesuch ? es gibt wenige Regeln, die ohne Einschränkung und ohne Ausnahme gelten.

Kinder sind sensibler als Erwachsene, sie nehmen ihre Gefühle noch stärker war. Kinder lehnen daher manche Menschen ab, ohne es begründen zu können. Eltern sollten das akzeptieren. So sollte es akzeptiert werden, dass das Kind den Begrüßungskuss der Tante verweigert, ohne sagen zu müssen, warum. Dieser Mechanismus sollte auch geübt werden, etwa in Form eines Rollenspiels: Die Mutter spielt die Tante, das Kind lehnt den Kuss ab, ohne die „Tante“ vor den Kopf zu stoßen.

 

Sie geben dem Kind dadurch zu verstehen: Was dich und deinen Körper betrifft, darfst ganz allein du bestimmen. Deine Persönlichkeit, und ist sie noch so klein, darf niemand antasten. Damit vermitteln Eltern gleichzeitig, dass es umgekehrt genauso ist: Auch das Kind darf nicht in die persönlichen Rechte eines anderen eingreifen.

Ab einem gewissen Alter verändert sich die Einstellung des Kindes zu seinem Körper und zu seiner Umwelt. Plötzlich möchte es nicht mehr mit Geschwistern in einer Badewanne sitzen, lässt Mutter und Vater nicht ins Badezimmer, wenn es sich duscht. Das Kind sollte sich so früh wie möglich selber waschen. Eltern sollten die Wünsche des Kindes besonders in dieser Phase akzeptieren.

 

In Frage stellen erlaubt

Kindern sollte vermittelt werden: Nicht alles, was Erwachsene sagen oder tun, ist in Ordnung, nicht alles darf das Kind unkritisch glauben und befolgen. Am besten zeigen das Eltern ihren Kindern, indem sie auf eigene Fehler hinweisen. Wenn Kinder ihre Eltern auf Fehler aufmerksam machen, sind sie am Weg zu einem starken, selbstbewussten „Ich“. Dann sind sie auch bereit, den Rat anzunehmen: „Wenn dich jemand in sein Auto locken will, steig nicht ein.“

 

Kindern zuhören und sie ernst nehmen

Je älter das Kind wird, desto öfter wird es nicht alles mit den Eltern besprechen. Eine schmerzliche Erkenntnis für die meisten Eltern. Die erste Liebe, die erste Enttäuschung, die Freude über den ersten Kuss – Dinge, die das Kind lieber und einfacher mit Freunden bespricht. Das Kind sollte wissen, dass das in Ordnung ist. Eltern können in ihrem Kinde die Erzählbereitschaft wecken, indem sie ihm das Gefühl geben, dass sie es ernst nehmen, ihm zuhören und an seinem Leben teilhaben. Sie sollten sich als Ansprechpartner anbieten, für alles, worüber das Kind sprechen möchte ? Erlebnisse, Sorgen, Ängste, Freuden. Die Kinder werden das Angebot nicht immer annehmen, mit zunehmendem Alter wahrscheinlich immer seltener, doch: Sie dürfen über alles reden.

Den Kindern zuhören ist extrem wichtig, doch nicht immer werden die Kinder ihre Probleme, Ängste und Sorgen in Worte fassen ? horchen Sie auch auf die stillen Zeichen.

Anzeichen für sexuellen Missbrauch

 

Aufklärung

Die Sexualaufklärung beginnt, sobald sich ein Baby selbst entdeckt und Eltern ihm beibringen, wie die Körperteile heißen. Kein Bereich darf als „verleugnete Zone“ ausgespart werden, auch nicht die Geschlechtsteile. Wie sollte das Kind später, wenn ihm etwas zustößt, die Regionen des Körpers bezeichnen können, um die es geht? Die Geschlechtsteile sollten in einer klaren Sprache benannt werden, die nichts verschleiert oder krampfhaft umschreibt. Das würde dem Gespräch über sexuelle Dinge die Selbstverständlichkeit geben, die es braucht, um zustande zu kommen. Gleichzeitig sollte vermittelt werden, dass es sich bei den Geschlechtsteilen um eine persönliche Zone handelt, über die jeder selbst bestimmen darf.

Nur das Kind, das rechtzeitig auf Gefahren aufmerksam gemacht wird, weiß, was es in Notsituationen zu tun hat. Mit der Aufklärung über Sexualität im eigentlichen Sinn sollten Eltern dann beginnen, wenn die Fragen danach auftauchen. Spätestens in der Vorpubertät (etwa acht bis zehn Jahre) sollte das Kind aufgeklärt sein.

 

Achten Sie auf Veränderungen

Verhaltensänderungen der Kinder sind nicht immer Warnzeichen für Kindesmissbrauch. Sie können zur normalen Entwicklung gehören. Wichtig ist es, wachsam für Veränderungen des Kindes zu sein, einen aufkommenden Verdacht nicht von der Hand zu weisen oder zu verdrängen. Es kostet Erwachsene Überwindung, sich jemandem im Falle eines Verdachts anzuvertrauen, wie hoch muss diese Hürde erst für die betroffenen Kinder sein? Die Erwachsenen sollten diese Hürde für die Kinder bezwingen und Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn ein Kind es schafft, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen, sollte man ihm grundsätzlich glauben und es nicht als Lüge abtun. Sie sollten sich ihm sofort zuwenden. Später könnte sich das Kind wieder verschließen. Jeder, dem sich ein Kind anvertraut, oder denen etwas suspekt vorkommt, sollte sich an eine der vielen Hilfsinstitutionen wenden ? und damit Zivilcourage beweisen, die leider viel zu vielen Menschen abhanden gekommen ist. Denn wenn Sie ein Kind allein lassen, verstoßen sie einen Menschen, der sich vielleicht nie wieder jemandem öffnen wird.

Was tun im Verdachtsfall?

 

 

Fragen, die Eltern mit „Ja“ beantworten sollten:

  • Spricht mein Kind mit jemandem über seine Probleme?
  • Kenne ich die Sorgen meines Kindes?
  • Gebe ich vor meinem Kind Fehler zu?
  • Darf mein Kind ungewollte Zärtlichkeiten ablehnen?
  • Kenne ich die Freunde meines Kindes?
  • Kommt mein Kind immer pünktlich nach Hause?
  • Ist mein Kind immer in Gruppen und nicht viel allein unterwegs?

 

Tipps von Eltern für Kinder

Fremdtäter sind selten – 80 % der sexuellen Übergriffe finden innerhalb der Familie statt. Dennoch sollten Kinder Bescheid wissen, dass es sie gibt und wie sie sicher unterwegs sind, wenn sie allein sind:

  • Von Fremden keine Geschenke annehmen. Ein Missbraucher könnte sich das Vertrauen des Kindes erschleichen. Manche Täter versuchen dadurch, langfristig eine Vertrauensbasis aufzubauen, bis das Kind mit ihm mitgeht oder in sein Auto einsteigt.
  • Nicht mit Fremden mitgehen. Eltern sollten sich Ausreden einfallen lassen, die ein Fremder erfinden könnte, um das Kind mit sich zu locken. Die Ausreden könnten sie in ein Rollenspiel verpackt erfinden. Z.B.: Deine Mutter hat mich beauftragt, dich von der Schule abzuholen, weil sie krank ist. Dein Vater hat einen Unfall gehabt, ich bin ein Arbeitskollege von ihm und soll dich nach Hause bringen usw. Das Kind soll bei all den Situationen „Nein“ sagen und das Mitgehen verweigern. Das setzt natürlich voraus, das Kind auch wirklich nur dann nicht selbst abzuholen, wenn es vorher informiert wurde, wer es nach Hause bringt.
  • Niemals in ein fremdes Auto einsteigen. Wenn es jemand nach dem Weg fragt, ist es nicht nötig, ihn auch einzuweisen ? selbst dann nicht, wenn das Zuhause des Kindes am Weg liegt.
  • Keinem Fremden Auskunft über Familien-Angelegenheiten geben. Kinder vergessen rasch, was sie wem gesagt haben. Ein Missbraucher könnte das Vertrauen des Kindes erschleichen, wenn er es mit Einzelheiten aus seinem Leben überrascht. Auch ist es besser, keine Namensschilder an Schultaschen usw. sichtbar zu befestigen. Ein Fremder könnte den Namen sehen und das Wissen um den Namen zur Gewinnung des Vertrauens verwenden.
  • Einsame Wege meiden. Das Kind sollte wissen, an wen es sich wenden kann, wenn es in Not gerät ? eine „Rettungsinsel“ schaffen. Z.B.: die Trafik am Schulweg, das Postamt, die Nachbarin usw.
  • Bei Verfolgung auf belebte Plätze flüchten und bei Erwachsenen Hilfe suchen oder in ein Geschäft gehen und die Notsituation beschreiben und um Hilfe bitten.