Verdacht auf Missbrauch ernst nehmen

10330514_1130382960320214_6725948958331971538_nWoran erkenne ich, dass ein Kind sexuelle Gewalt erfährt?
Das Verhalten von Mädchen und Jungen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben, ist alters- und persönlichkeitsbedingt sehr verschieden und entspricht keinem vorhersehbaren Muster. Spezifische Anzeichen oder körperliche Symptome, die eindeutig auf einen sexuellen Missbrauch hindeuten, gibt es nicht. Nur wenige Mädchen und Jungen sagen direkt, wenn sie sexuelle Gewalt erlebt haben. Einige Kinder machen Andeutungen. Häufig werden ihre Hinweise jedoch nicht richtig verstanden, weil Kindern die richtigen Worte für das Geschehene fehlen. Wichtig ist aber: Kinder erfinden sexuellen Missbrauch nicht von sich aus!
Manchen Kindern und Jugendlichen merkt man nichts an, andere verändern sich und zeigen Auffälligkeiten wie Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Einnässen, Ängste, Rückzug oder Aggressionen, Nachspielen von sexuellen Handlungen oder sexualisierte Sprache. Jedes dieser Anzeichen kann aber auch andere Ursachen haben. Aber: Ein Mädchen oder ein Junge, das beziehungsweise der sich plötzlich verändert, braucht – unabhängig von der Ursache – die Aufmerksamkeit seiner Eltern oder anderer Menschen, die ihm nahestehen.
Wer sich Sorgen macht, sollte sein Gefühl ernst nehmen und ihm nachgehen:
  • Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, mit der Sie sich austauschen können. Aber streuen Sie keine Gerüchte, denn dann besteht die Gefahr, sich wegen übler Nachrede, Verleumdung oder falscher Verdächtigung strafbar zu machen.
  • In beruflichen Zusammenhängen ist es wichtig, die Leitung zu informieren.
  • Signalisieren Sie dem Mädchen oder Jungen Gesprächsbereitschaft.
  • Sagen Sie, dass Sie sich Sorgen machen, da Ihnen Veränderungen aufgefallen sind.
  • Drängen Sie das Kind oder den Jugendlichen nicht zu Aussagen, denn Druck macht womöglich auch der Täter oder die Täterin.
  • Auch wenn es schwer fällt: Bleiben Sie ruhig. Denn starke emotionale Reaktionen können dazu führen, dass das Kind oder der beziehungsweise die Jugendliche Sie schonen möchte und nichts sagt.
  • Geben Sie dem Kind oder Jugendlichen die ausdrückliche Erlaubnis, über „schlechte Geheimnisse“ zu sprechen. Vermitteln Sie, dass Hilfe holen kein Petzen und kein Verrat ist und dass Sie ihm glauben.
  • Vermitteln Sie, dass Sie über belastende Themen Bescheid wissen und belastbar sind.
  • Versprechen Sie nicht, dass sie alles für sich behalten werden, sonst können Sie keine Intervention ermöglichen, ohne Ihr Wort zu brechen.
  • Fragen Sie nie den möglichen Täter oder die mögliche Täterin!
Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen hat das Bundesministerium der Justiz die Broschüre „Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch in einer Einrichtungen“ zu dem Thema erstellt:
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Wo finde ich im Verdachtsfall Hilfe und Unterstützung?
Haben Sie eine Vermutung oder einen Verdacht, dann holen Sie sich professionelle Unterstützung. Beratungsstellen, die sich auf sexuellen Missbrauch spezialisiert haben, sind in diesem Fall sinnvolle Ansprechpartner: Sie können helfen, weitere Schritte einzuleiten, die das Kind beziehungsweise den Jugendlichen schützen können und die dazu beitragen, den Sachverhalt aufzuklären. Beispielsweise kann es notwendig werden, die Schul- oder Kitaleitung einzubinden. Zudem sollte die Frage erörtert werden, ob beziehungsweise wann man die Polizei einschalten will.
Adressen von Beratungsstellen in Ihrer Nähe erhalten Sie über die Datenbank auf dieser Webseite.
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