Kind in Viersen getötetPartner durfte nicht mit Luca allein sein


Es wäre der dritte Termin gewesen, an dem es vor dem Viersener Amtsgericht um den fünfjährigen Luca, die Erziehungsfähigkeit seiner Mutter und die Gefährdung Lucas durch ihren Lebensgefährten gegangen wäre. Eigentlich hätte das Sorgerechtsverfahren an diesem Tag beendet und vereinbart werden sollen, wie die Mutter mit einer Familienhilfe weiter unterstützt werden kann. Doch die 24-Jährige erschien am Montagmorgen und teilte mit, ihr Sohn sei tot. „Alle waren tief betroffen“, sagt Gerichtssprecher Jan-Philip Schreiber. „Schließlich ging es im Verfahren darum, die Familienverhältnisse zu konsolidieren und die beste Lösung für das Kind zu finden.“

Der Lebensgefährte (26) ist dringend tatverdächtig, den Jungen mehrfach misshandelt zu haben und seinen Tod am vergangenen Samstag durch Würgen und stumpfe Gewalteinwirkung gegen Kopf und Bauch herbeigeführt zu haben. Dem Jugendamt war die Familie bekannt. Dritte hatten auf die Missstände hingewiesen, daraufhin war die Behörde tätig geworden. Anfang des Jahres wurde Luca zeitweise in Obhut genommen. Bei einem familiengerichtlichen Verfahren sollte dann im Februar mit der Mutter und einem Vertreter des Jugendamts „die Situation gemeinsam aufgeklärt und mit der Familie ein Weg gefunden werden“, sagt der Gerichtssprecher. Die 24-Jährige sei sehr kooperativ gewesen. Und es sei nicht darum gegangen, ihr das Kind dauerhaft wegzunehmen.

Grundlage dafür, dass Luca wieder nach Hause konnte, war aber laut Gericht, dass der 26-Jährige nicht mehr im selben Haushalt lebte. Die Mutter hatte berichtet, sie hätten sich getrennt und er sei ausgezogen. Zudem habe eine Familienhelferin die Mutter sechs Stunden pro Woche unterstützt. Wenn es Kontakt mit dem Stiefvater geben sollte, so nur in Begleitung der Mutter. „Er durfte nicht allein mit Luca sein“, betont Schreiber. Und der Junge sollte regelmäßig in die Kita gehen.

Lebensgefährte zog wieder bei Lucas Mutter ein

Nach rund zwei Monaten jedoch hatte es wieder Berichte von Dritten gegeben, die darauf hindeuteten, dass die Missstände nicht behoben waren. Im April kam es zu einem weiteren Gerichtstermin: Das Gericht schaltete einen Gutachter ein, der nach Gesprächen mit der Mutter, dem leiblichen Vater, dem Stiefvater, Großeltern und Erziehern zu dem Schluss kam, dass es für „eine Gefährdungslage durch den Stiefvater keine konkreten Anhaltspunkte“ gegeben habe und bescheinigte die Erziehungsfähigkeit der Mutter. Er empfahl aber auch, die Familienhilfe beizubehalten. Das Gutachten war der Familie vor dem letzten Termin schon bekannt. Nachbarn berichteten, der 26-Jährige habe wieder bei der jungen Mutter gelebt.

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