Kindesmissbrauch: Harsewinkler bekommt Haftstrafe und soll in Psychiatrie

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Harsewinkel. Es hätte deutlich schlimmer kommen können: Im September des vergangenen Jahrs verabredete sich der arbeitslose Ulf J. (Name geändert) aus Harsewinkel mit einem Gleichgesinnten, um dessen Kinder sexuell zu missbrauchen. Da die pädophilen Neigungen des 28-jährigen J. den Behörden jedoch seit längerer Zeit bekannt waren, stand dieser unter Beobachtung – die Polizei verhinderte gerade noch rechtzeitig, dass es zu dem Treffen des Angeklagten mit dem Vater und dessen Kindern kam. Das Bielefelder Landgericht verurteilte den vorbestraften J. nun zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Ulf J. ist der Justiz bereits seit mehreren Jahren wegen seiner pädophilen Neigung bekannt. Anfang August 2016 wurde er aus dem Gefängnis entlassen, seitdem stand er unter polizeilicher Kontrolle. In regelmäßigen Abständen erhielt er Besuch von Beamten, die seine Telefone, Laptops und Handys untersuchten. Mehrfach konfiszierten die Polizisten Datenträger, auf denen kinderpornografische Bild- und Filmdateien gespeichert waren. Darüber hinaus ergab das Auslesen der sichergestellten Geräte, dass Ulf J. bei etlichen Gelegenheiten derartige Fotos und Clips an Gleichgesinnte verschickt hatte. „Die Polizei konfiszierte ihre Geräte, und Sie haben trotzdem weiter gemacht“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Korte in der gestrigen Urteilsbegründung zum Angeklagten.

Eine dieser Routinekontrollen verhinderte wohl Schlimmeres: Am 22. September 2016 verabredete sich Ulf J. per WhatsApp mit einem anderen Mann, um dessen leibliche Kinder gemeinsam sexuell zu missbrauchen. Das Treffen wurde für den 14. Oktober anberaumt. Doch kam es glücklicherweise nicht mehr zu dem Treffen, da der Angeklagte an jenem Tag Besuch von der Polizei erhielt. Die Beamten hegten – ebenso wie die Staatsanwaltschaft – keinerlei Zweifel daran, dass Ulf J. die Verabredung äußerst ernst nahm.

„Das installierte System zur Verhinderung weiterer Straftaten hat in diesem Fall funktioniert – das muss man sagen“, resümierte Richter Korte. Zwar sei es nicht gänzlich gelungen, Ulf J. von erneuten Straftaten abzuhalten, „doch etwas wirklich Schlimmes ist verhindert worden.“

In der zweitägigen Verhandlung vor der I. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts hatte J. in nichtöffentlicher Verhandlung ein umfassendes Geständnis abgelegt. „Sie haben etwas getan, was wir hier nur selten erleben: Sie haben offen über Ihre Neigungen gesprochen“, sagte Korte gestern zum Angeklagten.“

Ulf J., der in seiner Jugend nach eigenen Angaben ebenfalls Opfer von Missbrauchshandlungen geworden war, leidet unter einer Lernbehinderung sowie einer gravierenden Persönlichkeitsstörung. Daher folgte die Kammer den Anträgen von Staatsanwalt Veit Walter und Verteidiger Jann Henrik Popkes und ordnete neben der Gefängnisstrafe die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus an. „Mein Mandant möchte in die Therapie“, sagte Popkes am Rande der Verhandlung.

Aus diesem Grund nahmen Ulf J. und sein Verteidiger das Urteil bereits gestern an. Es ist davon auszugehen, dass auch die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichten und das Urteil somit in Kürze rechtskräftig werden wird.

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