Kindesmissbrauch in 54 Fällen – Sexualstraftäter fälschte womöglich Führungszeugnis

In 54 Fällen soll Boris L. Kinder missbraucht haben. Sechs Jahre lang verging sich der Pädagoge an Jungen. Dabei hätte der vorbestrafte Sexualstraftäter eigentlich nie mehr mit Kindern arbeiten dürfen. Wie gelang es ihm trotzdem, an solche Jobs zu kommen? Einer seiner ehemaligen Arbeitgeber hat eine Vermutung.

Seit Sommer 2016 sitzt der Dortmunder Boris L. in U-Haft. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft der 54fache Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Seine sieben mutmaßlichen Opfer soll der diplomierte Sozialpädagoge als sogenannter Coach gefunden haben. Unter dem Vorwand, den Kindern zu helfen, soll er sie seit 2010 missbraucht haben.

Bisher war unklar, wie der Mann Kinder kennenlernen konnte: Nach einer einschlägigen Verurteilung im Jahr 2008 – damals ging es um sexuellen Missbrauch von Kindern in drei Fällen – hätte Boris L. nie wieder mit Kindern arbeiten dürfen. Er wurde damals zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Weitere Strafanzeige

Dennoch arbeitete er ab 2010 für ungefähr zwei Jahre als Honorarkraft zum Beispiel am Bochumer „Institut für das begabte Kind“. Hier legte der Verdächtige laut Dr. Birgit Oschmann, der Institutsleiterin, ein gefälschtes erweitertes Führungszeugnis vor. „Das Führungszeugnis, das Herr L. hier vorlegte, war sauber.“ Die Berichterstattung unserer Redaktion zu dem Fall habe sie zum Anlass genommen, gegen L. Strafanzeige wegen des Verdachts der Urkundenfälschung in Bezug auf das erweiterte Führungszeugnis zu stellen.

Bisher, so Oschmann, habe sie sich die erweiterten Führungszeugnisse, die grundsätzlich alle Menschen, die mit Kindern arbeiten, seit 2010 vorlegen müssen, von ihren Mitarbeitern aushändigen lassen. In Zukunft wolle sie sich die Führungszeugnisse von den jeweils ausstellenden Behörden direkt zusenden lassen. Bisher hätten sich weder betroffene Familien noch die Polizei an sie gewandt.

Prozess startet bald

Der 39-jährige L. soll seine Schutzbefohlenen, ausschließlich Jungen, sowohl in seiner Wohnung im Dortmunder Osten als teilweise auch in deren Elternhäusern missbraucht haben. Vorgeworfen wird ihm, an sich selber und an den Kindern manipuliert zu haben, in einem Fall, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, ist es offenbar auch zum Oralsex gekommen. L. nutzte laut Anklageschrift eigentlich harmlose Rollenspiele, um sich den Kindern zu nähern.

In 49 der 54 Fälle waren die Kinder jünger als 14 Jahre. Aufgedeckt wurde der Fall durch ein Kind, das sich an seine Eltern wandte. Anschließend wurde L. festgenommen. Am 23. Juni kam er in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen ihn soll noch in diesem Jahr vor der 31. Strafkammer des Dortmunder Landgerichtes beginnen.

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