Kindesmissbrauch: Verteidiger fordert Einstellung des Verfahrens

© Symbolfoto: dpa
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Ein Mann aus Donauwörth soll wegen des sexuellen Missbrauchs von drei Kindern für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Das hat die Staatsanwältin am Montag im Prozess vor dem Landgericht Augsburg gegen den 65-Jährigen gefordert.

Verteidiger Dr.Florian Engert dagegen vertrat die Ansicht, dass sein Mandant gar nicht verhandlungsfähig sei. Engert stellte zum einen den Antrag, ein entsprechendes Gutachten einzuholen, zum anderen forderte er, das Verfahren müsse eingestellt werden.

Wie krank ist der Angeklagte?

Am dritten Tag des Prozesses stand der Gesundheitszustand des Angeklagten im Mittelpunkt. Der hatte vor neun Jahren einen Schlaganfall und ist seitdem in jedem Fall körperlich eingeschränkt. An die angeblichen Vorkommnisse will oder kann er sich nicht mehr erinnern. Sie liegen bereits einige Zeit zurück.

Im Jahr 1997 soll sich der Mann laut Anklage ein dutzend Mal an der neunjährigen Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin vergriffen haben. Im Sommer 2006 – so die Anklage – soll er im Kinderzimmer seiner Wohnung in einer Nacht sowohl seinen Sohn als auch dessen Freund, beide zwölf Jahre alt, massiv sexuell missbraucht haben.

Die Sache kam nun vor Gericht, weil der Sohn im vorigen Jahr die Sache anzeigte. Im Zuge der Ermittlungen schlossen sich die beiden anderen mutmaßlichen Opfer an. Der Angeklagte schweigt bereits den ganzen Prozess und sitzt reglos mit gesenktem Kopf und gefalteten Händen da.

Verteidiger Engert führte jetzt an, sein Mandant könne sich nur eingeschränkt an die ersten beiden Verhandlungstage erinnern, die Anfang November stattfanden. Es gebe Anhaltspunkte, dass sein Kurzzeitgedächtnis erheblich eingeschränkt sei und er dem Prozess nicht folgen könne.

Hingegen bezweifelte eine Nachbarin des 65-Jährigen, dass dieser derartige gesundheitliche Probleme habe. Aus ihrer Erfahrung könne man sich mit dem Angeklagten, zu dem das Verhältnis seit ein paar Jahren durch Streitigkeiten gestört sei, sehr wohl normal unterhalten. Man habe auch nach dem Schlaganfall „rege Gespräche“ geführt.

Dass der 65-Jährige mit dem Gehstock ins Gericht komme, verwundere sie ebenfalls: „Damit habe ich ihn noch nie gesehen.“ Eine Kripobeamtin, schilderte, der Donauwörther, den sie von früher her privat kannte, aber jahrelang nicht mehr sah, habe sie bei einer Vernehmung 2015 sofort wiedererkannt und mit dem Vornamen angesprochen.

Mit der Krankenakte des Angeklagten beschäftigte sich Gutachter Dr.Richard Gruber. Nach dem Schlaganfall sei bei verschiedenen Reha-Maßnahmen eine stetige Besserung dokumentiert worden. Demnach seien zwar körperliche und sprachliche Einschränkungen geblieben, aber gravierende Gedächtnisstörungen seien nicht aufgefallen.

In einem rund 70-minütigen persönlichen Gespräch mit dem Angeklagten habe dieser seinen Lebenslauf und seine Situation „durchaus geordnet wiedergegeben“, so der Psychiater. Andererseits habe der Mann bei der Frage nach den Geburtsdaten seiner Kinder einen Zettel zu Hilfe nehmen müssen.

Der Gutachter hält den Angeklagten für schuldfähig

Aus Sicht von Gruber ist der Angeklagte grundsätzlich schuldfähig, dürfte also bei den zur Last gelegten Taten nicht vermindert steuerungsfähig gewesen sein. Der 65-Jährige wäre dem Sachverständigen zufolge auch haftfähig. Ein Gefängnisaufenthalt würde ihn aber wohl hart treffen und könnte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Die Staatsanwältin hielt die Aussagen der drei mutmaßlichen Opfer für glaubwürdig. Der Sohn habe sich die Anzeige nicht leicht gemacht. Sein Schulfreund habe keinen Grund, den Angeklagten zu Unrecht zu belasten. Die Tochter der Ex-Lebensgefährtin habe den Missbrauch erst in späteren Jahren richtig realisiert. Anwalt Karl Würth, der den Sohn als Nebenkläger vertritt, sagte, dass dieser noch immer unter diesem traumatischen Erlebnis leide.

Florian Engert stellte den Antrag, das Verfahren einzustellen. Grund: „Es drängt sich die Frage auf, ob der Angeklagte überhaupt begreifen kann, warum er hier vor Gericht steht.“ Engert zweifelte außerdem an, ob der 65-Jährige haftfähig wäre. Die Jugendkammer unter Vorsitz von Lenart Hoesch will das Urteil am Freitag verkünden.

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