Landarzt schreibt Buch über Kindesmissbrauch

Jüchen. Aufrütteln mit Tabu- Themen will der Landarzt und Buchautor Johannes Sieben aus Neuenhoven. Sein drittes Buch, das jetzt herausgekommen ist, beschäftigt sich mit Kindesmissbrauch.

Auf den ersten Blick lebt und arbeitet Landarzt Dr. Johannes Sieben in einer wahren Idylle. Im Gehöft seines Urgroßvaters, das in Teilen aus dem 16. Jahrhundert stammt und früher eine Brauerei war, behandelt er seine Patienten, die ihrem beliebten Landarzt auch mal frisch Geschlachtetes oder eine Flasche selbst aufgesetzten Beerenschnaps mitbringen. Doch die Idylle mit Pferden, Schafen, Kühen und dem wunderschönen alten Hof ist nur die eine Seite. „Ein solch altes Haus ist Traum und Alptraum zugleich. Man hat immer etwas daran zu tun und wird nie fertig“, gibt Johannes Sieben zu.

Trotz Vollbeschäftigung mit Arztpraxis und Reparaturarbeiten am Gehöft hat Sieben jetzt seinen dritten Roman geschrieben und herausgebracht. Wie in den beiden ersten Büchern greift er wieder ein Tabuthema auf: In seinem Roman „Paedoleaks. Enthüllungen – ungeschminkt und tabulos. Nur die Realität ist noch grausamer“ – bislang nur als E-Book bei Amazon zu beziehen – geht es um Kindesmissbrauch in den unterschiedlichsten Facetten. Täter und Opfer, vor allem auch diejenigen, die aus dem engsten familiären Umfeld wegschauen, „versammelt“ der Autor zunächst in Einzelepisoden und führt die Protagonisten am Ende zusammen: „Aber es gibt kein Happy End, das würde nicht zum Thema passen“, sagt Sieben, der mit seinen Büchern eine besondere Botschaft verbindet. Diesmal sind seine Zielgruppe Eltern, „die noch mehr und noch besser hinschauen sollen. Denn die meisten Missbrauchsfälle geschehen im unmittelbaren Umfeld des Opfers. Das ist nicht der verkleidete Onkel im Wald, das sind oft die Verwandten und Bekannten“, wird er deutlich.

 Die beiden vorherigen Bücher von Johannes Sieben sind im Verlag 3.0 erschienen und haben sich mit einem würdigen Sterben („Himmelsstaub-gefangen im Koma“) und mit der Homosexualität („Klosterrauschen“) beschäftigt. Auch „Paedoleaks“ soll bei diesem Verlag, dessen Lektoren Johannes Sieben mit seinen Tabuthemen durchaus „Bauchschmerzen“ verursacht, in Kürze als Taschenbuch erscheinen.

Auf ungewöhnliche Weise ist Johannes Sieben auch Selbstvermarkter seiner schriftstellerischen Werke, über die er sagt: „Alles Geschriebene ist leider bittere Realität und im Prinzip nicht erfunden, zwar nicht authentisch, aber wahr.“ So seien Medienberichte der vergangene zwei Jahre über Pädophilie-Fälle die Grundlage für sein neues Buch gewesen, das er mit seinen anderen Büchern in seiner Landarztpraxis übrigens mit den Worten anbietet: „Kaufen Sie Ihren Hausarzt und nehmen Sie ihn mit nach Hause.“

Und so aufrüttelnd die Themen des Arztes, Hobbylandwirtes und Schriftstellers Johannes Sieben auch sind, so idyllisch mutet dann doch wieder seine Art zu schreiben an: Vorzugsweise zieht sich der 63-Jährige abends mit einer Pfeife in seinen Lieblingssessel zurück und tippt seine Buchideen zunächst in sein iPhone. Sein Hund gesellt sich gerne dazu. Die Nacharbeit erfolgt dann natürlich am Computer. Sieben gibt allerdings lächelnd zu, sein Umfeld, auch Patienten und seine Frau, seien zunächst nicht begeistert gewesen, dass er schreibe …. und dann vor allem über „so peinliche“ Themen: Für ihn sei das Schreiben aber ein Muss: „Ich fühle mich verantwortlich. Und wenn durch mein Schreiben auch nur ein Kind vor Missbrauch bewahrt wird, dann war es die Mühe wert“, sagt der Vater von zwei Kindern.

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