Mann soll Freundin der Tochter sexuell missbraucht haben

Über 80 Bilddateien mit kinderpornografischem Material hat die Polizei 2014 bei der Hausdurchsuchung auf dem Computer des Angeklagten gefunden. „Ich hatte die ganze Zeit über ein schlechtes Gewissen. Als es entdeckt wurde, war es befreiend, darüber reden zu können“, sagte der 54-Jährige beim Prozessauftakt. Er habe sich danach freiwillig in Therapie begeben und mit seiner Pädophilie auseinander gesetzt. Er erzählte auch, wie es dazu kam, dass er pornografische Seiten im Internet nutzte. Seine Frau und er hätten schon geraume Zeit keinen Geschlechtsverkehr mehr praktiziert. Als „Ersatzbefriedigung“ habe er das Internet genutzt und „irgendwann dann halt auch mal eine Seite mit Kinderpornografie angeklickt“.

Zwischen sechs und elf Jahren

Vorgeworfen wird dem Angeklagten aber nicht nur der Besitz von kinderpornografischem Material, den er unumwunden zugab, sondern auch der sexuelle Missbrauch eines Kindes. Er soll im Zeitraum zwischen 1999 und 2004 mehrfach die Freundin seiner Tochter sexuell missbraucht haben, soll sie an primären und sekundären Geschlechtsteilen berührt und mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt haben. Das Kind war damals zwischen sechs und elf Jahren. Der Angeklagte stritt die Vorwürfe ab. „Es gab keinen Sex zwischen dem Mädchen und mir. Die einzige Frau, mit der ich geschlafen habe, ist meine Ehefrau, schon allein aus Gründen meiner religiösen Überzeugung“, erklärte der 54-Jährige.

Anschließend erzählte er, wie eng die Bindung der Freundin an seine Familie gewesen war. Das Mädchen habe oft bei ihnen übernachtet, sei phasenweise sogar die ganze Woche bei ihnen gewesen, sogar als sie krank war, und war zweimal mit im Urlaub dabei. Dabei habe es verschiedene Situationen gegeben, in denen er anders hätte reagieren müssen, gab er zu. So „kraulte“ er abends seiner Tochter den Rücken und schließlich auch der Freundin, als sie darum bat. In einer Gewitternacht schliefen beide Kinder im Ehebett, weil sie Angst hatten. „Das war eine totale Fehlentscheidung von Anfang an“, gab der Angeklagte zu, dass er die Freundin besser nach Hause hätte bringen sollen. Die Freundin seiner Tochter habe sich zu Hause nicht wohlgefühlt, habe seine Nähe gesucht. „Kann ich nicht bei euch bleiben?“, habe sie ihn sogar einmal gefragt, erzählte der Angeklagte. Nach besagter Gewitternacht habe das Mädchen oft bei ihm allein im Bett geschlafen. Seine Frau sei damals schon längst dazu übergegangen, im Wohnzimmer zu übernachten. „Es gab aber keine Handlungen meinerseits gegenüber dem Mädchen“, versicherte der Angeklagte. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Hannes Breucker erzählte er aber, dass das Kind gelegentlich nackt gewesen sei, und er es am Oberkörper gestreichelt habe. Und ja, dabei habe er auch drei, vier Mal eine Erektion gehabt. „Dann habe ich mich aber beschämt weggedreht“, gab er zu.

Kommissarin sagt aus

„Das ist für die Richterbank nicht einfach zu glauben, dass es keine sexuellen Handlungen gegeben haben soll“, sagte Richter Breucker, „die Grenzen wurden eindeutig überschritten, die Frage ist nur wie intensiv.“ Auf die Frage, warum die Geschädigte, die heute 23 Jahre alt ist, sich so etwas ausdenken hätte sollen, wusste der Angeklagte keine Antwort.

Die mit dem Fall befasste Kriminalkommissarin berichtete vor Gericht von den Zeugenaussagen. Die Geschädigte sei 2014 bei ihr gewesen, um Anzeige zu erstatten. Die junge Frau sei der Meinung gewesen, dass sie erst mit 18 Jahren Anzeige erstatten könne, deshalb sei sie nicht vorher gekommen. „Die Geschädigte erzählte, dass der Beschuldigte sie nie gezwungen oder Gewalt angewendet habe“, erzählte die Kommissarin. Erst später habe die Geschädigte gemerkt, dass es nicht in Ordnung war, was mit ihr gemacht worden sei. Zudem seien ihre Eltern erstmal geschockt gewesen und hätten an der Aussage ihrer Tochter gezweifelt.

Die Verhandlung geht am 15. Februar weiter, allerdings nichtöffentlich. Weiter öffentlich verhandelt wird am 16. Februar, 9 Uhr, im Sitzungssaal 168 des Landgerichts.

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