Missbrauch: Fall Bischof Janssen bleibt ungeklärt

Gutachter Peter Mosser (l-r) vom IPP, Weihbischof Heinz-Günter Bongartz und Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger bei der Pressekonferenz am Montag. © dpa Fotograf: Julian Stratenschulte

Der Missbrauchsvorwurf gegen den 1988 verstorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen lässt sich nicht mehr abschließend aufklären. Zu diesem Ergebnis kommt das vom Bistum mit der Untersuchung des Vorwurfs beauftragte Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), das seine Ergebnisse am Montag vorlegte. Der Missbrauchsvorwurf könne weder bewiesen noch entkräftet werden, stellten die Münchner Experten fest.

Vorwurf des Missbrauchs von Messdiener

Bischof Janssen soll in der Anfangsphase seiner Amtszeit als Bischof zwischen 1958 und 1963 einen Messdiener regelmäßig sexuell missbraucht haben. Der Junge war zu Beginn der Übergriffe zehn Jahre alt. Der Vorwurf gegen Janssen wurde allerdings erst 2015 – mehr als 50 Jahre nach dem vorgebrachten Missbrauch und lange nach seinem Tod – erhoben. Zeugen für den bislang ersten Missbrauchsvorwurf gegen einen Bischof in Deutschland ließen sich auch nach einem entsprechenden Aufruf nicht mehr finden.

„Muster der Verantwortungslosigkeit“

Ein schweres Versagen attestieren die Gutachter dem Bistum im Umgang mit den ebenfalls untersuchten Missbrauchsvorwürfen gegen Peter R.. Der suspendierte Priester stand bereits im Zentrum des Missbrauchsskandals am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern. R. wurden laut dem IPP elf Fälle sexualisierter Gewalt in seiner Hildesheimer Zeit (1989-1997) nachgewiesen. Sechs davon seien den damaligen Bistumsverantwortlichen bekannt gewesen. „Der damalige Umgang des Bistums Hildesheim mit diesen Fällen ist von einem Muster der Naivität, Verantwortungslosigkeit und unklaren Kommunikation geprägt“,  erklärten die Gutachter.

Weibischof räumt Schuld und Versagen ein

Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger bat die Opfer und ihre Angehörigen um Vergebung. „Die eigene Schuld und das eigene Versagen lasten auf uns“, sagte er. Dem Bistum sei sehr bewusst, dass den Opfern großes Leid widerfahren sei. „Das macht mich bekümmert und zerknirscht, und es beschämt mich zutiefst.“

Das IPP hatte untersucht, ob institutionelles Versagen die mutmaßlichen Taten erleichtert und die Aufklärung erschwert habe.

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