Missbrauch in 35 Fällen – Vater (74), zahlte 8.000 € Schmerzensgeld und entschuldigt sich für Taten.

Der wegen Missbrauchs seiner Tochter angeklagte 74-Jährige ist um Schadensbegrenzung bemüht. Er gestand die Vorwürfe, zahlte 8000 Euro und entschuldigte sich. Ob das aber reicht, um dem Gefängnis zu entgehen, ist unklar.

Osnabrück. Der zweite Verhandlungstag vor dem Landgericht Osnabrück ist fast vorbei, da steht der Angeklagte auf. Sein Anwalt versucht noch, ihn zu bremsen, doch der 74-Jährige muss etwas loswerden. Er spricht zu seiner Ex-Frau, die gerade als Zeugin gehört worden ist. „Ich möchte mich bei Julia (Name geändert) entschuldigen, dass ich das gemacht habe“, sprudelt es aus ihm heraus. Seine Ex-Frau schaut ihn an, verharrt kurz und geht dann zu ihrer Anwältin.

Der Niedergrafschafter, dem vorgeworfen wird, zwischen April 2014 und August 2015 in 35 Fällen seine heute zwölfjährige Tochter sexuell missbraucht zu haben, räumt die Vorwürfe ein. Das hatte sich bereits am ersten Verhandlungstag abgezeichnet. Konkret geht es darum, dass er das Kind an intimen Stellen berührte. Ein Deal, wie er bei Prozessauftakt noch im Raum stand, ist jedoch vom Tisch.

Die Dritte Große Strafkammer des Landgerichts hatte angeboten, dass bei einem „glaubhaften Geständnis“ und einer „erheblichen Zahlung“ von Schmerzensgeld an das Opfer eine Freiheitsstrafe zwischen 24 und 34 Monaten denkbar wäre. Sollte das Strafmaß dann tatsächlich bei zwei Jahren liegen, wäre es gerade noch möglich, eine Bewährung auszusprechen. Der Angeklagte müsste seine Strafe dann nicht zwangsläufig im Gefängnis verbüßen.

Diesem Vorschlag stimmen der Angeklagte und sein Verteidiger am Freitagmorgen erwartungsgemäß zu. Die Staatsanwaltschaft hingegen lehnt ihn ab. Die hohe Anzahl der Taten über einen langen Zeitraum lasse eine Bewährungsstrafe nicht akzeptabel erscheinen, sagt die Staatsanwältin: „Uns schwebt ein höherer Zeitrahmen vor.“

Der Mutter anvertraut

Bevor die ersten Zeugen gehört werden, will der Angeklagte ein Geständnis ablegen. Sein Verteidiger kündigt eine umfangreiche Erklärung an, die „alles abdeckt“ – will jedoch die Öffentlichkeit ausschließen. Die Staatsanwaltschaft hat nichts dagegen und auch das Gericht befindet nach kurzer Beratung, dass dem Schutz der Privatsphäre Vorrang einzuräumen sei. Also verliest der Verteidiger das vorbereitete Schriftstück eine halbe Stunde lang hinter verschlossenen Türen. Zuvor berichtet er noch, dass der Angeklagte seiner Tochter bereits eine erste Geldzahlung in Höhe von 8000 Euro habe zukommen lassen.

Das Geständnis des Angeklagten erspart der Tochter eine Aussage vor Gericht. Sie hatte sich im September 2015 ihrer Mutter anvertraut, als sie und ihr ein Jahr älterer Bruder wieder – wie alle 14 Tage – übers Wochenende zu ihrem Vater hätten fahren sollen. Nach der Scheidung im Jahr 2008 waren Mutter, Tochter und Sohn in einen anderen Ort gezogen. Die Mutter brach den Kontakt zum Vater nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort ab und suchte Hilfe bei der Beratungsstelle „Hobbit“ in Nordhorn. Diese Einrichtung des Eylarduswerks unterstützt Menschen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Anschließend folgte über einen Anwalt eine Anzeige bei der Polizei, die das Strafverfahren und den Prozess in Gang brachte.

Das Mädchen habe sich zunächst nur sehr zögerlich geäußert. Sie sei sehr starr und ängstlich gewesen und habe große Hemmungen gehabt, über das zu sprechen, was ihr Vater ihr angetan habe, berichten eine Mitarbeiterin von „Hobbit“ und eine Kriminalkommissarin der Polizei übereinstimmend. Beide werden am zweiten Verhandlungstag vor Gericht als Zeugen gehört. Die Betreuung über „Hobbit“ sei inzwischen abgeschlossen, berichtet die Mutter. Ihrer Tochter gehe es mittlerweile besser – auch wenn sie mit dem Geschehenen nach wie vor „sehr unglücklich“ sei.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 8. März, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann wird auch ein Urteil erwartet.

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