Missbrauch: Stiefvater angeklagt

„Ein abscheuliches Verbrechen“ sagt einer der Zuhörer kurz vor Beginn des Prozesses vor der 3. Großen Jugendschutzkammer des Landgerichts Stuttgart. Später muss der Zuhörer wie alle Besucher den Saal verlassen. Der Angeklagte aus dem Landkreis Ludwigsburg will seine Aussage nicht vor Publikum machen. Immerhin droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu  zwölf Jahren.

Die Fälle, die die Richter zu verhandeln haben, spielten sich laut Anklage vor rund zehn Jahren ab. Die Stieftochter des Beschuldigten ist inzwischen 15 Jahre alt. Erst Ende letzten Jahres kamen die Taten ans Tageslicht, als das Mädchen darüber zu sprechen begann. Ihre Mutter, von der der Angeklagte inzwischen geschieden ist, habe von den sexuellen Übergriffen nichts bemerkt. Laut der Stuttgarter Staatsanwaltschaft soll der heute 45-Jährige begonnen haben, das Mädchen sexuell zu missbrauchen, als es drei Jahre alt war – zumeist im Kinderzimmer oder im Keller der Wohnung des Ehepaares. 116 Einzeltaten hat die Staatsanwältin in der dicken Anklageschrift zusammengefasst: Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes, Körperverletzung.

Richter glaubt dem Opfer

Bisher hatte der Angeklagte die Vorwürfe bestritten. Auch als er am 19. Dezember letzten Jahres festgenommen und dem Ludwigsburger Haftrichter vorgeführt wurde. Dennoch erließ der Richter Haftbefehl gegen ihn. Auch vor dem Landgericht will er kein Geständnis abgeben, sagt er. Er wolle gar keine Angaben machen. Doch der Vorsitzende Richter belehrt ihn deutlich und konfrontiert ihn mit der Aussage der heute 15-jährigen Zeugin. Wenn man diese Aussage gemäß einer vorläufigen Würdigung durchliest, so der Richter, dann könne man nicht umhin, dass das Kind die Wahrheit sagte. Falls er jetzt vor Gericht reinen Tisch mache, könne das zu seinen Gunsten gewertet werden. Besonders punkten können Angeklagte, wenn sie einen Auftritt der Opfer im Zeugenstand ersparen.

Schließlich gibt der 45-Jährige nach, will Angaben machen, aber nicht im Beisein der Öffentlichkeit. Auch zum Schutz des Mädchens, so der Antrag seines Verteidigers, müsse man die Öffentlichkeit während dieser Aussage ausschließen. Die Richter genehmigen das. Was der Angeklagte hinter verschlossenen Türen gesagt hat, wird man erst am nächsten Verhandlungstag, dem 22. Mai, erfahren.

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