Mutmaßliche Kindesmisshandlung endet mit Freispruch

© Symbolfoto: dpa
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„Als ich von der Arbeit kam, hat mein Sohn geweint und gesagt, dass Papa ihn mit einem Stock geschlagen hätte“, sagte die Mutter eines dreijährigen Kindes gestern vor dem Amtsgericht aus. Der Vorwurf gegen den Vater: Kindesmisshandlung.

Er soll den Jungen im November 2015 mit einer Wasserwaage auf den Rücken geschlagen haben.

Im Gericht

„Davon stimmt überhaupt nichts. Das haben sie dem Kleinen eingetrichtert“, ist der 29-jährige Angeklagte, der noch zwei weitere Kinder aus erster Ehe hat, überzeugt. An jenem Tag soll laut des Mannes der Gärtner, ein weiterer Bewohner auf dem Gehöft in einem Salzwedeler Ortsteil, im Wohnzimmer der Familie einen Billardtisch ausgeglichen haben. Während die Eltern in der Küche eine Zigarette rauchten, sei der kleine Junge aus dem Zimmer gekommen und habe den Gärtner bezichtigt, ihn geschlagen zu haben. In diesem Zusammenhang soll die Noch-Ehefrau des Angeklagten die belastenden Bilder der Hautrötungen auf dem Rücken gemacht haben. Bleibende Schäden erlitt der Junge nicht.

„Nach der Tat durfte sein Papa ihn nicht mehr anfassen“, untermauerte die Ehefrau, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftrat, ihre Version der Geschichte. Im Verlauf der Aussage erklärte sie zudem, dass nicht nur ihr Sohn und sie selbst, sondern auch die beiden Kinder aus erster Ehe misshandelt worden seien. „Er war einfach überfordert“, versuchte sie Gründe für sein Verhalten zu finden.

Der Angeklagte wehrte sich unterdessen vehement gegen die schweren Anschuldigungen, zu denen außerdem kam, dass er fast täglich Alkohol trinken würde. „Das kann ich mir in meinem Beruf gar nicht erlauben“, erklärte er. Auch ein Freund des Angeklagten, der auf eigenen Wunsch aussagte, beteuerte: „Solange ich ihn kenne, ist er nie gewalttätig geworden.“

Im Raum stand die Frage, ob der kleine Junge, der Verhaltensauffälligkeiten zeigt, die Wahrheit gesagt hat. Doch die Anfrage des Richters Klaus Hüttermann, das Verfahren einzustellen, lehnte der Staatsanwalt ab. Dieser forderte anschließend eine Haftstrafe von einem halben Jahr, zur Bewährung ausgesetzt.

Im Zweifel für den Angeklagten – Richter Hüttermann entschied sich allerdings gegen eine Strafe. „Es ist ein Freispruch aus Mangel an Beweisen. Wir haben keinen Augenzeugen“, erklärte er seine Entscheidung. Und obwohl der Angeklagte aggressiv wirke, belege es nicht, dass er gelogen habe. Die Mutter stellte bereits einen Antrag auf das alleinige Sorgerecht für ihren Sohn.

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