Nach Missbrauch von Zwölfjährigem Düsseldorfer muss in die Psychiatrie

Das Gericht verhandelte auch am letzten Prozesstag hinter geschlossenen Türen, um den Jungen sowie auch den Angeklagten zu schützen. Der Täter wird als eine Gefahr für die Allgemeinheit eingeschätzt.

Wegen Missbrauchs eines zwölfjährigen Schweizer Jungen muss ein Mann aus Düsseldorf auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie – möglicherweise für den Rest seines Lebens. Zudem verurteilte das Düsseldorfer Landgericht den 35-Jährigen am Freitag zu fünf Jahren Haft. Grund für die unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung ist einer Gerichtssprecherin zufolge, dass der Mann eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Das Urteil gegen den Angeklagten Werner C. erging nach drei Prozesstagen, an denen die Strafkammer hinter verschlossenen Türen über den Fall verhandelt hatte. Laut Staatsanwaltschaft hatte C. den zwölfjährigen Paul nach Düsseldorf gelockt und in seiner Wohnung wiederholt missbraucht. Verurteilt wurde der Mann nun wegen schweren sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen, in einem Fall in Tateinheit mit Vergewaltigung.

Facharzt bescheinigt verminderte Schuldfähigkeit

Nach Angaben von Gerichtssprecherin Elisabeth Stöve wird C. bei Rechtskraft des Urteils ungeachtet der verhängten Haftstrafe in die Psychiatrie gebracht. Eine Vollstreckung der fünfjährigen Gefängnisstrafe käme demnach nur dann in Betracht, wenn der 35-Jährige entgegen allen Erwartungen vor Ablauf von fünf Jahren wieder aus der Psychiatrie entlassen würde.

Der Gerichtssprecherin zufolge bescheinigte ein Facharzt für Psychiatrie in der nicht öffentlichen Verhandlung dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit. Gleichzeitig stellte der Psychiater fest, dass von C. weitere schwere Straftaten zu erwarten seien und er deshalb eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle.

Hatten sich in einem Onlinespiel kennengelernt

Die von Gericht daraufhin verhängte Einweisung in die Psychiatrie könne bedeuten, dass C. „eine sehr lange Zeit“ dort untergebracht bleibe, sagte Stöve. In der psychiatrischen Einrichtung werde künftig einmal im Jahr überprüft, ob bei C. die Voraussetzungen für die Unterbringung weiter vorliegen.

Das Verbrechen an dem Jungen aus der Schweiz hatte international Aufsehen erregt. Der Angeklagte hatte Erkenntnissen der Ermittler zufolge den Zwölfjährigen zu Jahresbeginn über ein Onlinespiel kennengelernt und sich dabei das Vertrauen des Kinds erschlichen. Am 18. Juni reiste der Düsseldorfer dann nach früheren Angaben der Anklage zu einem Treffen mit dem Kind in die Schweiz.

Danach fuhren beide demnach zur Wohnung des 35-Jährigen nach Düsseldorf, wo C. den Zwölfjährigen den Ermittlern zufolge an mehreren Tagen sexuell missbrauchte. Polizeibeamte entdeckten den Jungen schließlich am 26. Juni in der Düsseldorfer Wohnung.

Ausschluss der Öffentlichkeit zum Schutz des Jungen

Die Öffentlichkeit blieb auch am letzten Verhandlungstag des Düsseldorfer Prozesses weitestgehend ausgeschlossen. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung fanden am Freitag hinter verschlossenen Türen statt, ebenso die mündliche Urteilsbegründung. Lediglich die Verkündung des Strafmaßes erfolgte in öffentlicher Sitzung.

Als Grund für den Ausschluss der Öffentlichkeit von dem Verfahren hatte das Gericht bereits zu Prozessbeginn schutzwürdige Interessen des Jungen und auch des Angeklagten genannt. Es gelte zu verhindern, dass diese Interessen durch eine öffentliche Erörterung bestimmter Details aus dem jeweiligen persönlichen Lebensbereich verletzt würden. Dahinter müsse das Interesse der Öffentlichkeit zurücktreten.

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