Pädophilie-Skandal – Jährlich mehrere hundert Kinder betroffen: Kirche vertuscht Missbrauch immer noch

Der Vatikan ist erneut Vorwürfen ausgesetzt, Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche systematisch zu vertuschen. Ein neues Buch berichtet von hunderten Fällen jährlich seit Papst Franziskus im Amt ist.

Der italienische Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi wirft Papst Franziskus in einem neuen Buch vor, trotz vieler Worte nicht genug gegen den Missbrauch von Kindern und gegen pädophile Priester zu tun. „Lussuria“ (Wollust) erscheint diesen Donnerstag in Italien.

In den ersten drei Jahren seines Pontifikats seien der Glaubenskongregation rund 1200 „glaubhafte“ Fälle von Kindesmissbrauch aus der ganzen Welt gemeldet worden, sagte Fittipaldi der Deutschen Presse-Agentur. Das seien 400 pro Jahr – von 2005 bis 2009 seien es halb so viele gewesen, nämlich 200 pro Jahr.

„Das Problem ist, dass alles immer noch geheim gehalten wird“

„Und das sind nur die, die gemeldet wurden. Und von denen wir nicht mehr wissen, denn Papst Franziskus hat keine Transparenz geschaffen“, sagte der Journalist der Zeitschrift „L’Espresso“. Statt auch strafrechtlich gegen Pädophile vorzugehen, würden sie gedeckt. „Das Problem ist, dass alles immer noch geheim gehalten wird, und jeder, der offen über diese Verbrechen spricht, riskiert sehr schwere Strafen, inklusive der Exkommunikation.“ Der Vatikan äußerte sich auf dpa-Anfrage zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Fittipaldi stand im Zentrum des zweiten „Vatileaks“-Prozesses. Damals ging es um sein Buch „Avarizia“ (Geiz), das maßlose Geldverschwendung im Vatikan zum Thema machte. Der Journalist wurde 2015 wegen Veröffentlichung geheimer Dokumente mit anderen Angeklagten vor Gericht in dem Kirchenstaat gestellt. 2016 wurde er freigesprochen.

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