Prozess am Landgericht München II – Mutmaßlicher Missbrauch im Schulbus – Fahrer vor Gericht

Schulbus Symbolbild Bild: © pa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Busfahrer Wolfgang Z. vor, ein Mädchen im Jahr 2015 mindestens fünf Mal sexuell missbraucht zu haben. Wolfgang Z. muss sich nun vor dem Landgericht München verantworten. Er streitet die Vorwürfe ab. Bei der Verhandlung bleibt er sehr vage, selbst in den Aussagen über sich selbst. Das Mädchen habe ihn nicht gemocht, sagt der 53-jährige Z. Der Prozess wird fortgesetzt.

Als er Kinder nicht mehr mit dem Bus von der Schule nach Hause fahren durfte, wartete Wolfgang Z. zwei Wochen auf die Polizei – so berichtet er es selbst. Sein Chef hatte ihn beurlaubt, es sei Anzeige gegen ihn erstattet worden. Am Rosenmontag dieses Jahres standen dann Beamte vor der Wohnungstüre des 53-Jährigen in Garching und nahmen ihn fest.

Wolfgang Z. soll ein damals sieben bis acht Jahre altes Mädchen, das er allein mit einem Kleinbus von einer Schule in Garching aus nach Hause fuhr, während der Fahrt sexuell schwer missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft geht von mindestens fünf Übergriffen in der Zeit zwischen Anfang Mai bis Mitte Juli 2015 aus. Seit Montag muss sich Wolfgang Z. vor dem Landgericht München II verantworten. Er streitet die Vorwürfe ab.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei mehrere Porno-Videos. Die habe ihm sein Mitbewohner mitgebracht, versichert Z. der Vorsitzenden Richterin Regina Holstein. Er habe sie sich nie angesehen, sondern immer weggeworfen. Während die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Anklage verliest, schüttelt der 53-Jährige oft den Kopf, legt die Stirn in Falten oder zieht die Augenbrauen hoch.

Schräg gegenüber von dem korpulenten Busfahrer mit Halbglatze und einem langen, grauen Rauschebart hat der Vater des Mädchens mit seiner Anwältin Platz genommen. Er trägt einen schwarzen Rollkragenpullover. Mal schließt er die Augen, wenn Wolfgang Z. spricht, mal hält er sich eine Hand vors Gesicht, dann wieder mahlen seine Backenknochen. Der Vater atmet schwer. Wolfgang Z. streicht sich mit einer Hand hin und wieder durch seinen Bart, als er der Richterin aus seinem Leben erzählt.

Seit 2008 fährt er unter anderem Kinder, die in Garching zur Schule gehen, mit einem Kleinbus eines Busunternehmens. Welche Hobbys er habe, fragt ihn Richterin Holstein. „Ohne Interessen, Zeit totschlagen“, lautet die Antwort.

Keine Interessen also, hakt die Richterin nach. „Nö“, erwidert der Angeklagte. Und wie es mit seiner Sexualität stehe? Wolfgang Z. sagt nur ein Wort: „Nein.“ Ob er ein Mann ohne Leidenschaften sei, fragt die Vorsitzende. Der Busfahrer antwortet: „Ja“. Nur mit der Frau eines Kollegen habe er in den vergangenen Jahren ein kurzes „Techtelmechtel“ gehabt – nach einer Weihnachtsfeier.

„Also ich habe nichts getan“

Die Richterin regt ein Rechtsgespräch an. Sie fragt Z.s Verteidiger, Rechtsanwalt Norbert Fröhler, ob er nicht noch einmal mit seinem Mandanten reden wolle. Sie habe Zweifel an dessen Aussagen über sich selbst. Doch der Verteidiger will nicht. Der Angeklagte habe nichts zu gestehen, sagt er. „Können sie was sagen?“, wendet sich Richterin Holstein deshalb an Wolfgang Z. „Also ich habe nichts getan. Ich versteh‘ das gar nicht. Ich habe sie ganz normal nach Hause gefahren, ohne diese Sachen zu machen.“

Das Mädchen, an dem er sich vergangen haben soll, habe ihn angeblich gar nicht gemocht, behauptet der 53-Jährige bei seiner Vernehmung. Es sei nämlich in einen seiner Kollegen „verliebt“ gewesen, so Z. Als er das Kind das erste Mal von der Schule abgeholt und es ihn am Steuer des Kleinbusses gesehen habe, sei sie „traurig“ gewesen. Erst mit der Zeit habe es seine Zurückhaltung abgelegt und sei „gesprächiger geworden“. Eines Tages habe es ihn schließlich gefragt: „Darf ich vorne sitzen? Beim anderen darf ich das auch.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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