Prozess in Leipzig-Sexueller Missbrauch eines Mädchens – und die leibliche Mutter schaut zu

Cyber-Ermittler aus Baden-Württemberg sind einem Angeklagten aus Leipzig auf die Schliche gekommen. Seit Mittwoch muss sich der 60-Jährige wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Mitangeklagt: die Mutter eines Opfers.

Leipzig. Cyber-Ermittler aus Baden-Württemberg sind dem Angeklagten Peter F. aus Leipzig auf die Schliche gekommen. Seit Mittwoch muss sich der 60-Jährige wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor dem Landgericht Leipzig verantworten.

Noch während Peter F. eines Nachts im Februar vorigen Jahres Kinderpornos aus dem Internet auf seinen heimischen Computer in Leipzig herunterlud, klingelten bei Beamten des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, die spezielle Netzwerke beobachten, bereits die Alarmglocken. Der Anschluss des Angeklagten galt als Treffer. Über den Internetdienst-Anbieter wurde er ermittelt – bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung schließlich sein Computer sichergestellt. Gespeichert waren darauf Fotos eines kleinen Mädchens unter anderem beim Sex mit einem Mann. Auch schon gelöschte Bilder konnten wiederhergestellt werden.

Den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Leipzig zufolge handelte es sich dabei um Peter F. und die Tochter der Mitangeklagten Iveta S., einer 48 Jahre alten Slowakin, die seit 2005 in Deutschland lebt. Beide Beschuldigte hatten sich in Leipzig, als sie einem Ein-Euro-Job nachgingen, kennengelernt, waren danach eine Zeit lang ein Paar. Laut Anklage soll Peter F. zwischen März 2014 und Mai 2016 mehrfach das damals acht bis zehn Jahre alte Mädchen sexuell missbraucht haben. Staatsanwältin Juliane Zech warf ihm 16 Handlungen vor. Er soll Fotos und Filme von der Kleinen in aufreizenden Posen gefertigt, zudem Oralverkehr mit ihr durchgeführt haben. Bei acht Handlungen habe die Mutter des Mädchens Beihilfe geleistet, so der Vorwurf. „Die Angeklagte war am Tatort, unterstützte die Handlungen durch ihre Billigung“, sagte die Staatsanwältin.

Noch während der Ermittlungen hatten sich die Angeklagten nicht geäußert. Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten, das hinter verschlossenen Türen im Landgericht stattfand, gaben sie alles zu. Zuvor hatte die 3. Strafkammer dem Angeklagten Peter F. im Falle eines Geständnisses eine Haftstrafe von viereinhalb bis fünf Jahren signalisiert, der Frau eine Bewährungsstrafe von anderthalb bis zwei Jahren. „Im Hinblick auf die Vorwürfe sind die Strafen relativ mild“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. „Doch dadurch können wir dem Mädchen die Vernehmung ersparen.“

Die Verteidiger des Ex-Paares hatten jeweils eine Erklärung abgegeben. So sagte Anwalt Karsten Hausmann, der Iveta S. vertritt: „Sie wünscht sich, dass es nie geschehen wäre und bedauert, was passiert ist.“ Das Opfer lebt jetzt in einer Wohngruppe. Iveta S. hat ihren eigenen Angaben zufolge noch weitere zehn Kinder, um die sich ihr geschiedener Mann in der Slowakei kümmert.

Und Verteidiger André Röhrich erklärte für Peter F., der vor wenigen Jahren wegen einer Arbeitsstelle von Dortmund nach Leipzig gezogen war, dass der 60-Jährige „vollumfänglich gesteht“ und eine Wiedergutmachung – Schmerzensgeld – beabsichtigt. Das fordert Anwältin Ina Alexandra Tust, die die Interessen des Kindes vertritt. Über die Höhe der Summe wird auch bei der Prozessfortsetzung – 19. und 26. Januar – verhandelt.

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