Prozess in Potsdam – Vater vor Gericht: Er soll sein Baby erstickt haben

Calvin begann in der Nacht zu schreien. Der Vater soll ihm die Atemwege zugehalten haben, bis er nicht mehr atmete. Kevin R. (25) steht seit Dienstag vorm Landgericht in Potsdam.

 Er schweigt: Kevin R. (25) war bis zum 10. Juni ein junger Vater. Jetzt steht er vor Gericht. Der ungeheuerliche Vorwurf: er soll seinen damals erst 73 Tage alten Sohn Calvin erstickt haben! Für Staatsanwalt Knut Kresche eindeutig „Totschlag!“ Der Grund: Weil der kleine Säugling nachts so laut geschrien habe, so der Vater später bei der Polizei. Kann es wirklich immer der Stress sein, dem junge Eltern plötzlich ausgesetzt sind, dass ein Kind stirbt?

Fakt ist: Am frühen Morgen des 10 Juni (2.25 Uhr) wacht der Junge in seinem „Stubenwagen“ auf, er „quengelte“ wie Kevin R. der Polizei noch in der Nacht sagte. Die Mutter des Jungen, Ines L. (35) schlief auf dem Sofa. Sie bekam nichts vom Todesdrama um ihren Jungen mit. Sie war übermüdet von den anstrengenden Nächten und vorher eingeschlafen.

Vor dem Potsdamer Landgericht äußerte sich der schlaksige, schmale Mitzwanziger, der zum ersten mal Vater geworden ist, dazu am Dienstag nicht mehr. Doch dafür sprach die Notärztin aus jener Nacht Klartext. Ihr hatte er damals noch zwei Versionen über Calvins Tod erzählt.

Der Notärztin Gabriele B., die Calvin auch nicht mehr retten konnte, sagte Kevin R. am Morgen des 10. Juni: „Ich habe mich einfach überfordert gefühlt.“

Die Medizinerin vor Gericht: „Er sagte, Calvin sei im Wohnzimmer aufgewacht. Er nahm den Jungen ins Schlafzimmer, legte ihn auf den Wickeltisch, wollte ihn beruhigen. Dabei ist er ihm wohl aus den Händen gerutscht, oder den Armen.“

Vorsitzender Richter Theodor Horstkötter fragt nach: „Was passierte dann?“

Die Ärztin: „Der Vater sagte mir, dass er den Jungen dann gepackt und wohl zu fest zugedrückt habe.“

Richter Horstkötter: „Wie hat er denn zugegriffen?“

Die Ärztin: „Na so“, sie zeigt einen Würgegriff mit beiden Händen, die sich um den Hals legen.

„Als ich in die Wohnung kam, waren die Sanitäter schon da. Der kleine Junge wurde mit Herzdruckmassage reanimiert“, sagte die Ärztin.

Richter Horstkötter: „War Calvin schon tot?“

Notärztin: „Die Pupillen waren weit entrundet, er hatte keine Atmung mehr, der Herzschlag war schon weg.“ Alles Zeichen dafür, dass schon akuter Sauerstoffmangel im Gehirn war. Er war eigentlich schon tot. Aber wir machten weiter.“ Doch irgendwann hörten die Retter auf. Es machte keinen Sinn mehr.

Gabriele B. ist auch heute noch erschüttert von dem Einsatz: „Ein zwei Monate altes Kind für tot zu erklären, war auch für mich eine starke Belastung. Er hatte einen blauen Fleck am rechten Oberarm. Ein kleiner Blutstropfen an der Nase. Mehr war äußerlich nicht zu sehen.“

Dann sprach die Notfallmedizinerin noch einmal mit Kindsvater Kevin R., fragte ihn, was denn passiert sei.

Gabriele B.: „Er erzählte dann: Naja, als er aufwachte, da habe ich ihn rausgeholt, ins Nebenzimer gebracht. Habe ihn auf die Wickelkommode gelegt, dann die Hand auf den Mund gehalten, bis er dann ruhig war. So eine Minute lang.“

Was danach genau passierte, ist unklar. Offenbar merkte Kevin R., dass was nicht in Ordnung war. Er weckte die Mutter, die nahm ihn in die Arme. Doch der Kleine regte sich nicht mehr. Ihrer Freundin Annika W. (28) erzählte Ines L., am Tag danach: „Calvin war schon so kalt, einfach nur kalt.“

Die Freundin am Dienstag vor Gericht weiter: „Ines war aufgelöst, hat geweint. Hat sich Vorwürfe gemacht. Warum habe sie geschlafen? Sie sagte immer wieder, sie habe nichts davon mitbekommen.“

Der Richter fragt: „War es für Sie denkbar, dass der Angeklagte das tun könnte?“

Annika W. schüttelt ratlos den Kopf: „Ihm ist es eigentlich nicht zuzutrauen, dass er es gemacht hat.“

So sieht es offenbar auch die Mutter des getöteten Jungen heute noch. Annika W.: „Ines liebt den Vater von Calvin immer noch. Sie weiß aber nicht, wohin mit sich und ihren Gefühlen. Sie telefonieren ab und zu noch. Ein oder zwei mal hat sie ihn besucht in der U-Haft.“

Fortsetzung am 20. Dezember, 9.30 Uhr, Landgericht Potsdam

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