Prozess um Missbrauch Schwere Vorwürfe gegen Betreuer eines Bonner Schwimmvereins

Bonn – 20 Jahre sollen die sexuellen Übergriffe bereits zurückliegen. Viele Jahre waren sie ein Geheimnis, das ein zehnjähriger Junge alleine tragen musste. Bis er sich, mittlerweile fast 30 Jahre alt, seiner Freundin während eines zweiwöchigen Urlaubs unter der Sonne Ägyptens anvertraute.

Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Peiniger vor der Jugendschutzkammer des Bonner Landgerichts verantworten. Dem ehemaligen Jugendbetreuer eines Bonner Schwimmvereins wird schwerer sexueller Missbrauchs eines Kindes in 21 Fällen vorgeworfen. Passiert sein soll es Mitte der 90er Jahre, mindestens drei Jahre lang, vor allem in der Wohnung des Angeklagten.

Das Verwickelte in dem Fall und der Grund vielleicht auch für das lange Schweigen: Der Angeklagte war zugleich mit der älteren Schwester des Opfers befreundet und hat sie im Jahr 2001 auch geheiratet und mit ihr zwei Kinder bekommen. Damit wurde der mutmaßliche Täter der Schwager des Jungen, mit dem er vieles unternommen hat, etwa Zoobesuche, Ausflüge oder Familienfeste. Schließlich lebten sie jahrelang unter einem gemeinsamen Dach. Ein Haus, in dem es „familiär“ zuging.

Erst als der angeklagte Ex-Jugendbetreuer sich von seiner Ehefrau im Jahr 2013 trennte und sich als homosexuell geoutet hatte, platzte das Geheimnis. Auch, weil das mögliche Opfer nun keine familiäre Rücksicht mehr nehmen musste. Der Mann zeigte den Ex-Schwager an.

„Es war eine große Erleichterung für ihn, als der Fall endlich ins Rollen gekommen ist“, berichtete gestern die 28-jährige Lebensgefährtin des Opfers als Zeugin. Auch, dass ihm geglaubt wurde. Die Zeugin erzählte von vielen „Flashbacks“, die ihn seitdem begleiteten. Erinnerungen, die ihn nicht loslassen, aber von denen er ungern im Detail erzählt. Dennoch musste der 30-Jährige wiederholt seine ganze Geschichte vortragen, auch einer psychiatrischen Gutachterin. Die Sachverständige soll die späte Aussage des Opfers für glaubwürdig halten.

Der Angeklagte hingegen hat zu den Vorwürfen im Prozess geschwiegen. Auch zu den Vorwürfen einer zweiten Anklage sagte er nichts. Demnach bezichtigt ihn ein zweiter Junge ebenfalls eines Übergriffs in der Umkleidekabine eines Schwimmbads. Auf die Frage des Kammervorsitzenden Wolfgang Schmitz-Justen, warum die ehemaligen Schützlinge ihn falsch beschuldigen sollten, zuckte der Angeklagte mit den Schultern. Eine Antwort wusste er nicht.

Für den Prozess sind fünf weitere Termine angesetzt.

– Quelle: http://www.rundschau-online.de/25515158 ©2017

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*