PRÜGEL UNTER KNAST-DUSCHE Kindermörder verklagt Kindermörder

Berlin – Was dann geschah, das beschäftigt seit Donnerstag das Berliner Landgericht. Keith M. (27) soll seinen Mithäftling Stefan J. (41) verprügelt haben. 

Sowohl der Angeklagte als auch Stefan J. haben in ihrer Vergangenheit Schlimmes getan, wurden verurteilt und eingesperrt.

Die Vorgeschichten der Kindermörder

► Keith M. (27) tötete am 27. August 2005 in Berlin-Zehlendorf den sieben Jahre alten Christian. Die am Tatort gesicherten DNA-Spuren führten zu dem kiezbekannten Schläger. Er hatte den Jungen in eine Grünanlage gelockt, gequält und mit Tritten und Schlägen umgebracht. „Er tötete aus Frust und Mordlust“, stellte das Gericht 2006 fest. Das Urteil: Zehn Jahre Haft – damals noch die Höchststrafe für Jugendliche.

► Stefan J. (41) entführte im Februar 2001 die zwölf Jahre alte Ulrike in Eberswalde (Brandenburg), fesselt sie, vergewaltigte sie. Anschließend erdrosselte er das Mädchen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

In der Sozialtherapeutischen Anstalt (SothA) der JVA Tegel kreuzten sich die Wege der beiden Männer. Dort sind hauptsächlich Gewalt- und Sexualstraftäter untergebracht. Stefan J. war Hausarbeiter, Keith M. sein Vertreter. Das Verhältnis war gespannt. Am 13. Juli 2015 soll M. den anderen unter der Dusche zusammengeschlagen haben.

Für den Angeklagten geht es um alles oder nichts

Eindrücke aus dem Gericht: Erstaunlich gelassen, manchmal sogar grinsend sitzt Keith M. auf der Anklagebank. Dabei geht es für ihn in diesem Prozess um alles oder nichts: Wird er verurteilt, droht ihm Sicherungsverwahrung. Denn Keith M. ist in Haft schon fünfmal straffällig geworden. Bei seiner letzten Verurteilung 2013, nach einer Knast-Schlägerei, hatte die Staatsanwaltschaft angekündigt, dies beim nächsten Vergehen zu prüfen. Wird M. hingegen freigesprochen, könnte er nach Verbüßung aller Strafen am 29. Februar 2017 aus dem Knast entlassen werden.

Der 27-Jährige wehrt sich gegen den Vorwurf, den Rivalen an jenem Nachmittag erst beleidigt und dann in der Dusche der Station vier mit der Faust ins Gesicht geschlagen, dessen Stirn gegen die Wand geknallt und schließlich den am Boden Liegenden auch noch gegen den Kopf getreten zu haben.
„Wir waren schon mehrfach aneinandergeraten.“ J. habe ihn wegen seiner dunkleren Hautfarbe diskriminierend behandelt, sich als Hausarbeiter aufgespielt.

Aussage gegen Aussage

Wer wen in die Dusche „einlud“, blieb am Donnerstag unklar. Keith M. sagte: „Er war’s, ich ging hinterher.“ Stefan J. hielt dagegen: „Nein. Er forderte auf, mitzukommen.“

Auch das Geschehen unter der Dusche schilderten beide höchst unterschiedlich. M.: „Er schlug zuerst. Ich wehrte mich mit einem Faustschlag. Dann schlugen wir uns wechselseitig, einvernehmlich.“ J. sagte im Gegensatz dazu: „Ich bekam den ersten Schlag, taumelte. Ich rutschte weg, lag am Boden. Er trat trotzdem zu. Ich selbst habe nichts gemacht.“

Stefan J. erlitt schwere Kopfverletzungen, darunter Hämatome und eine große Platzwunde.

In fünf Verhandlungstagen will das Gericht mit Hilfe einer Vielzahl von Zeugen die Wahrheit ans Licht bringen. Fortsetzung kommende Woche Dienstag.

Der Fall Christian

Gerichtsmediziner bergen die Leiche von Christian S. († 7). Der Junge aus Berlin-Zehlendorf wurde am 27. August 2005 von Keith M. (damals 16) in eine Grünanlage gelockt. Dort tötete er ihn mit Tritten und Schlägen, schlug u. a. mit seinem Gipsarm zu, den er von einer Schlägerei Tage zuvor hatte. Die beiden kannten sich seit Jahren aus der Nachbarschaft. Tatmotiv: Frust über die fehlgeschlagene Aussprache mit seiner Freundin.

Chronologie zum Fall Ulrike

► 22. Februar 2001, 15.46 Uhr: Ulrike verlässt das Haus der Eltern, sie ist mit ihrem Mountainbike unterwegs zum Volleyball-Training. 400 Meter vom Elternhaus entfernt wird sie von einem weißen VW-Polo von der Straße gerammt. Sie fällt hin. Der Fahrer, Stefan Jahn, zerrt sie in den geklauten Wagen.
Das Fahrrad bleibt mit verbogenem Lenker im Schnee liegen. Der Neuschnee bedeckt es schon, als die Mutter das Rad um 20 Uhr an der Friedhofsmauer findet. Da ist – wie später festgestellt wird – Ulrike schon tot.

► 27. Februar 2001: Die Polizei entdeckt den ausgebrannten weißen Polo. Darin noch Reste von Ulrikes Haarspange und ihres Rucksacks.
► März 2001: Tornados mit Infrarotkameras fliegen über das Suchgebiet. Nichts.
► 8. März 2001: Rainer Schöfel aus Werneuchen findet beim Gassigehen mit seinem Schäferhund die kleine Leiche unter Ästen und Gestrüpp.
► 9. März 2001: Ihre Eltern nehmen Abschied von Ulrike in der Gerichtsmedizin in Potsdam. Ein halbe Stunde lang streicheln sie sie.

► 20. März 2001: 300 Ermittler machen jetzt Jagd auf den Täter. Doch noch jagen sie ein Phantom.
► 27. März 2001: Endlich der Durchbruch! Fingerabdrücke bringen die Ermittler zu Stefan J. – einem vorbestraften Autodieb und Kleinkriminellen.
► 28. März 2001: Stefan J. wird in Fürstenwalde festgenommen.

 

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