Schwerer sexueller Missbrauch: Deal führt zu Strafmilderung

Symbolbild. © Foto: SWP Archiv

Vier Jahre und neun Monate Haft. Dazu ist am Mittwoch ein 62-Jähriger aus dem Kreis Neu-Ulm verurteilt worden. Er hat sich an seiner Stieftochter vergangen.

Äußerlich gefasst, beinahe regungslos. So hat am Mittwoch am  Landgericht Memmingen ein 62-Jähriger auf seine Verurteilung reagiert. Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Jürgen Hasler sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte aus dem südlichen Landkreis Neu-Ulm an seiner Stieftochter vergangen hat. Der  Familienvater muss vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis, wegen schweren sexuellen Missbrauchs in 40 Fällen. Die Taten liegen lange zurück. Sie ereigneten sich in den Jahren 2001 und 2002. Da war die heute 27 Jahre alte Stieftochter des Mannes elf. Es kam zunächst zu unsittlichen Berührungen, dann zu Geschlechtsverkehr.

Der Stahlbauschlosser hatte zu Prozessbeginn noch zu den Vorwürfen geschwiegen, dann auf Anraten seines Verteidigers aber doch ein Geständnis abgelegt. Und zwar hinter verschlossenen Türen, während eines so genannten Rechtsgesprächs, an dem alle Prozessbeteiligten teilnahmen. Nach Angaben des Gerichts schlug die Kammer dem Angeklagten dabei einen Deal vor, um das Verfahren abzukürzen und dem Opfer allzu detaillierte Aussagen vor Gericht zu ersparen. Konkret: Für ein umfassendes Geständnis stellte die Kammer eine Reduzierung des Strafmaßes und eine Gefängnisstrafe in Aussicht, die fünf Jahre nicht überschreitet. Die Prozessbeteiligten stimmten der Abmachung zu.

Und so kam es nun auch. „Sie waren gut beraten, ein Geständnis abzulegen“, sagte Richter Hasler am Mittwoch in seiner Urteilsbegründung zu dem Beschuldigten. Das Geständnis habe sich „erheblich strafmildernd ausgewirkt“. Ob das Gericht mit seinem Strafmaß am Ende deutlich von den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung abwich, blieb unklar. Richter Hasler hatte die Öffentlichkeit während der Plädoyers ausgeschlossen.

Zur Erinnerung: Angeklagt waren ursprünglich mehrere hundert Taten. Laut Anklage soll der heute 62-Jährige seine Stieftochter über viele Jahre hinweg missbraucht haben. Viele dieser Taten konnten nach Einschätzung der Kammer aber nicht „konkret festgestellt“ werden. Der konkrete Nachweis sei lediglich in 40 Fällen möglich gewesen.

Die missbrauchte Stieftochter hat sich erst vor etwa drei Jahren als erwachsene Frau mit Hilfe eines Bekannten an die Polizei gewandt. So kam der Fall ins Rollen. „Spät, aber nicht zu spät, hat das Opfer Mut und Kraft gefunden, um Anzeige zu erstatten“, sagte der Richter. Zuvor habe die Familie versucht, „die Aufarbeitung der Vorfälle intern zu regeln“, die Taten unter den Teppich zu kehren.

Eine psychiatrische Gutachterin hielt die Aussagen der heute 27-Jährigen gegen ihren Stiefvater für absolut glaubwürdig, während Mutter und Geschwister des Opfers vor Gericht von ihrem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch machten. Sie schwiegen. Trotz der Missbräuche halte die Mutter der 27-Jährigen nach wie vor zu ihrem Mann, die Familie sei zerstritten.

Kindheit geraubt

Der Angeklagte hatte einem Gutachter berichtet, dass es „stets einvernehmlich“ zum Sex gekommen sei. Er bereue die Taten. An seiner Stieftochter ließ der 62-Jährige kein gutes Haar: Diese sei auf Schmerzensgeld aus und wolle ihn vernichten.

Dem widersprach der Richter. Es stehe „klipp und klar fest“, dass die 27-Jährige die Wahrheit sage. Vorwürfe aus der Familie, wonach die missbrauchte Tochter die Familie zerstört habe, kommentierte er so: „Wenn sie zerstört ist, dann ist das einzig und alleine die Schuld des Angeklagten.“ Dieser habe seiner Stieftochter die Kindheit geraubt.

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