Sexueller Missbrauch – Facebook-Nutzer verspotten Opfer

Ein Mann lockt eine 18-Jährige in eine Falle und missbraucht sie. Das Netz reagiert vor allem mit Hohn und Spott. Mitgefühl für das Opfer? Größtenteils Fehlanzeige.

Oldenburg – Der Fall einer 18-jährigen Oldenburgerin, die von einem falschen Polizisten missbraucht wurde, hat hohe Wellen geschlagen – auch in der Netzgemeinde. Allerdings stürzte sich ein großer Teil der Facebook-Nutzer nicht auf den Täter, sondern auf das Opfer und seine zwei männlichen Begleiter.

Ein bislang unbekannter Mann hatte in der Nacht zu Dienstag in der Nadorster Straße vorgegeben, drei junge Menschen wegen vermeintlicher Drogengeschäfte durchsuchen zu müssen. Das Trio glaubte dem Mann. Als er sie in einer Wohnung getrennt voneinander durchsuchte, soll er die 18-Jährige im Intimbereich berührt haben.

Auf dem Facebook-Auftritt der NWZ  und anderen Auftritten schlugen die Wellen nach Bekanntwerden der Tat hoch. Viele Kommentatoren reagierten mit Spott und Unglauben. „Unfassbar, wie dreist einige sind und wie leichtgläubig dann die anderen“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Viele verstehen nicht, wie sich die Drei auf die Durchsuchung einlassen und warum die Männer die Frau nicht beschützen konnten. „Ist heute der 1. April?! Ganz ehrlich, auf so was fällt doch niemand rein!“, so ein weiterer Kommentar. „Und wenn doch, dann Gnade dir Deutschland! Das sind deine Rentenzahler.“ Andere bezeichnen das Verhalten der drei jungen Leute schlichtweg als „dumm“, weil schon das Äußere des Täters – dunkler, Mantel, Anzughose, Lackschuhe – nicht für einen Polizeibeamten sprach. Auch lustig gemeinte Sprüche sind bei Facebook zur Genüge zu finden: „Wenn das mal nicht Schlemihl von der Sesamstraße war!“, schreibt einer. Der nächste: „Das lief doch bei RTL. Seid ehrlich.“

Eher untypisch bei einem Verbrechen wie diesem: Nur wenige sprechen ihr Mitgefühl aus und setzen sich öffentlich für die 18-Jährige und ihre Begleiter ein. „Gratulation für Eure Weitsicht und Euren Sinn für Humor!“, bemerkt ein Nutzer ironisch. „Sollte die ,Geschichte’ stimmen, bleibt am Ende immer noch ein missbrauchtes Mädchen zurück. Dieses Mädchen braucht derartige Kommentare bestimmt nicht.“

Die Polizei sucht nach einen etwa 35-jährigen Mann, der „ein europäisches Aussehen“ haben und „akzentfrei Deutsch sprechen“ soll. Er soll bei einer schlanken Statur rund 1,80 Meter groß sein, dunkelblonde, kurze Haare und einen leichten Bartansatz haben. Zur Tatzeit soll er mit einem dunklen Mantel, einer schwarzen Anzughose sowie schwarzen Lackschuhen und blau-weißen Stricksocken bekleidet gewesen sein. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel. 7 90 41 15 entgegen.

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