SEXUELLER MISSBRAUCH IM SPORT: POLIZEI GEHT KOOPERATION EIN

Die Kooperation ist besiegelt: Der Vorsitzende des Stadtsportbunds, Jörg Ruppel (2.v.l.) und Polizeipräsident Gregor Lange haben am Freitag (20. Januar) die Verträge unterschrieben. Auch im Bild: Kurt Schweinert (links, 2. Vorsitzender Stadtsportbund) und Holger Maurer (rechts, Vorsitzender der Sportjugend). Foto: Nadine Euler (Stadtsportbund) / Schaper

Sexueller Missbrauch im Jugendsport – das Thema ist zugegebenermaßen unangenehm. Damit das in Dortmund nicht passiert, sind Polizei und Stadtsportbund jetzt deshalb eine Kooperation eingegangen.

Dortmund – Siegerehrung, die F-Jugend hat den Pokal geholt, Trainer und Spieler liegen sich in den Armen, der Trainer klappst dem Kapitän auf den Po. Ist das schon sexueller Missbrauch? Ist die Umarmung zwischen Trainer und Jugendspieler schon zu intim? Kann man da von sexualisierter Gewalt sprechen?

Es sind genau diese Fragen, die sich Trainer, Eltern und auch Jungsportler manchmal stellen. Die Polizei Dortmund und der Stadtsportbund wollen genau diese Debatte in die Vereine bringen – und sind dazu am Freitag (20. Dezember) eine Kooperation eingegangen.

„Es ist unbestritten“, sagt Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange, „im Sport gibt es sehr viel emotionale und körperliche Nähe zwischen Trainern und Spielern.“ Gerade deshalb gebe es in der Jugendarbeit eine besondere Verantwortung für Trainer, Assistenten oder Vorstände. Sie sollten wissen, wo die Grenzen in der körperlichen Nähe zu den Spielern seien, so  Lange. „Damit auch bei den Eltern das Vertrauen da ist, ihre Kinder ruhigen Gewissens zum Sport zu schicken.“

Gregor Lange selbst kennt das Problem, das oft unter dem Teppich gekehrt wird – weil es unangenehm ist. Seine Kinder spielten einst selbst Fußball in einer Dortmunder Jugendmannschaft. Da spielen Emotionen sehr oft eine Rolle – und da kommt es oft zu Grenzüberschreitungen.

Stadtsportbund will präventiv vorgehen

Eine, die sich beim Stadtsportbund mit genau diesem Thema befasst, ist Projektleiterin Regina Büchle. „Wir sehen unsere Arbeit als Prävention an, damit es erst gar nicht zu unangenehmen Situationen kommt“, sagt sie. Gemeint sind etwa Berührungen, zu denen es kommt, wenn beim Turnen Hilfestellung gegeben wird. Oder wenn der Trainer schnell in die Dusche platzt, während die Kinder nackt sind. Die Grenzen sind da schnell überschritten – auch wenn das den Trainern oft gar nicht bewusst ist.

Die Polizei greift dem Stadtsportbund mit der jetzt geschlossenen Kooperation unter die Arme. Sie bildet Trainer in Seminaren aus, sensibilisiert sie für das Thema. „Und dieses Thema geht nicht weg, es wird immer irgendwie da sein“, ist sich Polizeipräsident Lange der Bedeutung bewusst. Denn auch er weiß: Auch wenn das Thema sexualisierte Gewalt in Dortmund schon seit mehr als drei Jahren verstärkt auf der Agenda des Stadtsportbundes steht, kommt es immer wieder zu sexuellen Zwischenfällen. Mal bewusst, mal unbewusst.

Jörg Ruppel, Vorsitzender des Dortmunder Stadtsportbundes ist froh, dass es jetzt die feste Kooperation mit der Polizei gibt. „Denn es ist ein Zeichen für die Eltern, dass sie uns ihre Kinder anvertrauen können.“

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